DER WAGEN...

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COMBINALE| DAS THEATER - ein freie Bühne in Lübeck

KURZFASSUNG EINES ARTIKELS VON RUDOLF HöPPNER
AUS „DER WAGEN-EIN LÜBECKER JAHRBUCH" 2006


COMBINALE | THTR - so heißt es auf einem Schild über dem
Eingang in der Hüxstraße Nr 115 . Es weist hin auf das Theater im
Hinterhaus . Der Name Combinale entstand, als sich zwei kleine
Theatergruppen zu einer neuen „kombinierten". Das geschah am
Anfang der 80er Jahre. In einer Halle auf einem Hof in der
Lachswehr Allee hatte sich das „Taktlos Theater" eine kleine Bühne
eingerichtet . Zwei Frauen spielten dort Stücke, die sie selbst
geschrieben hatten. Andere freie Bühnen waren zu Gast, so auch die
Gruppe „Top of the Flop", zwei Männer aus Berlin. Das waren Wolfgang
Benninghoven und Ulli Hausmann , die sich dann mit Sigrid Dettlof
vom „Taktlos Theater" zum Combinale Theater zusammenschlossen
und danach in die Hüxstraße umzogen, das Hinterhaus mieteten und
mit Initiative und überwiegend eigener Arbeit Bühne und
Zuschauerraum einrichteten. Die erste gemeinsame Produktion, „Das
Mietshaus" wurde ein spontaner Erfolg, und die Zuschauerzahlen
stiegen kontinuierlich in den folgenden Jahren.
Anerkennung und Ermutigung brachte 1996 die Spende der Possehl-
Stiftung für eine gründliche Renovierung des Hauses, die statt der
provisorischen Stühle für passende Sitze im Zuschauerraum sorgte.
Gastspiele, Werkstattarbeit, Improvisationstheater - die Ausweitung
der Tätigkeiten des Combinale Ensembles und ihrer Gäste machten in
den folgenden Jahren einen Ausbau notwendig. Und so war es 2005
wieder die Possehl - Stiftung , die - zusammen mit einem Beitrag der
Stiftung Sparkasse zu Lübeck - es ermöglichte , durch einen Vorbau
das bis dahin kleine Foyer zu einer Studiobühne zu erweitern und
einzurichten. Damit ergeben sich für die kommende Zeit nicht nur
verbesserte Arbeitsbedingungen für das Combinale Theater , sondern
zugleich Möglichkeiten für eine Ausweitung der bisherigen Tätigkeiten,
einschließlich der Arbeit von Arbeitsgruppen und Bühnen, die als
Gäste dort wirken und spielen können.
Katreen Hardt und Knut Friedrich sind ständige Gäste im Combinale,
L. Christian Glockzin ist Spieler und Regisseur. Zusätzlich ergänzen
Nachwuchsspieler, meist aus Hamburg, die jeweilige Besetzung, und
manch junge Akteurinnen und Akteure hatten im Combinale ihr erstes
Engagement.
Für die Inszenierungen werden sehr Gastregisseure eingeladen , in
den letzten Jahren war es sehr häufig Stephanie Kunz.

Freie Bühne bedeutet äußerliche Unabhängigkeit von einer
übergeordneten Institution wie es z.B. städtische Theater sind , die
gegenüber ihrem Träger zu fest geplanten, regelmäßigen
Veranstaltungen in oft unterschiedlichen Sparten verpflichtet sind, die
einen festen und terminlich zuverlässigen Grundstock des kulturellen
Lebens innerhalb einer Kommune darstellen müssen.
Privates Theater bedeutet aber auch Risiko in der finanziellen
Absicherung des Betriebes, da es keine feste Vorausberechnungen
geben kann. Ein Theater durch den Verkauf von Eintrittskarten völlig
zu finanzieren , ist kaum möglich, es sei denn, man richtet sich in der
künstlerischen Konzeption nach dem, was im Fernsehen durch die
„Einschaltquote" bestimmt wird, wenn die Quantität des Umsatzes den
künstlerischen Anspruch überwuchert. Das Combinale Theater
erwirtschaftet durch seine Einnahmen deutlich über 50% seines
finanziellen Bedarfs und erhält Unterstützung durch das Land und die
Stadt . Diese Zuwendungen werden leider jährlich gekürzt. Die
wirtschaftliche Notlage der „öffentlichen Hand" verspricht keine
Sicherheiten für die kommenden Jahre. Eine deutliche Erhöhung der
Eintrittspreise wäre ein Risiko, weil es für manche Besucher zu teuer
werden könnte, weiterhin die Aufführungen in der Hüxstraße zu
besuchen. Die Erhöhung der Attraktivität ihres Theaters und dadurch
die Steigerung der Zuschauerzahlen ist die gute Antwort des
Combinale Theaters . So hat es das Ensemble geschafft, konstant
gutes und künstlerisch anspruchsvolles Theater zu bieten, dabei sich
ihre Unabhängigkeit und individuelle künstlerische Freiheit zu erhalten
, und gleichzeitig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich zu
sein in der Umsetzung der Stücke.
Das kleine Haus in der Hüxstraße mit seinen knapp 100 Sitzplätzen,
einer studioartig kleinen Bühne erlaubt kein Großes Schauspiel, genau
so wenig wie das kleine Ensemble mit seinen Gästen und Helfern.
Das entspricht der Absicht des Combinale teams. Es gibt nur kleine
Besetzungen, oft mit zwei Personen, auch Solostücke.
Die dramaturgische Grundkonzeption enthält charakteristische
Merkmale des epischen Theaters , wie es sich - unabhängig von der
politischen Ausrichtung - seit Brechts „Kleines Organon für das
Theater" weitgehend durchgesetzt hat als Alternative zum
llusionstheater, der scheinbaren Realität der Handlung , wie sie für
Boulevardstücke und Volkskomödien kennzeichnend ist.
Die Zuschauer haben einen engen Kontakt zum Geschehen auf der
Bühne. Eigentlich beginnt das Theater schon vor der Vorstellung -
man wartet gemeinsam im Foyer, der Zuschauerraum wird erst wenige
Minuten vor Beginn geöffnet. Das ist Absicht, und auch wenn Ulli
Haussmann seine „Geschichten am Meer" in Travemünde am Strand
vorträgt, holt er vorher die an der Promenade wartenden Zuschauer
ab und führt sie an die Spielstätte.
Es gibt keinen Vorhang, oftmals werden die Zuschauer einbezogen in
die Vorbereitungen auf der Bühne, bevor das eigentliche Spiel beginnt
oder die Schauspieler sich schon sichtbar auf der Szene befinden,
bevor das Spektakulum losgeht.
Die Produktionen des Combinale Theaters zeigen in Form und Inhalt
eine große Bandbreite. In den ersten Jahre der beiden Gruppen
„Taktlos Theater „ und „Top of the Flops" , aus denen sich dann das
Combinale bildete, waren die Stücke immer Eigenproduktionen.
Auch von anderen Autoren dramaturgisch aufbereitete Prosatexte
wurden aufgenommen .In diesen Zusammenhang gehören natürlich
auch die mit anderer Absicht veränderten literarischen Vorlagen:
Parodien , ein bevorzugtes Sujet des Combinale Ensembles , und zwar
in vielen Varianten. Das Theaterspielen selbst als Gegenstand einer
parodistischen oder satirischen Produktion, das Theater im Theater,
das Verschieben des Entertainment auf eine Meta-Ebene gibt es in fast
regelmäßigen Abständen im Combinale.
Unter den Stückeschreibern , deren Werke das Combinale team
spielt, überwiegen Autoren aus den USA und England: Ira Levin, Alan
Bennett ,Patrik Barlow, Jeff Goode, Tim Firth, Michele Lowe, Kathrin
Kressmann Taylor, James Saunders und Albert R. Gurney. Die Theater,
für die sie schreiben, liegen in London außerhalb des etablierten
Westend mit seinen großen Bühnen ,und in New York gehören sie zum
off -Broadway.
Das hängt sicher zusammen mit den inhaltlichen Schwerpunkten der
zumindest ursprünglich außerhalb des kulturellen Establishments
angesiedelten Bühnen.
Und es ist zugleich ein Charakteristikum für das Combinale Theater.
Die äußere Form vieler Produktionen und die dramaturgische
Konzeption ihrer Umsetzung stehen in engem Kontext zu ihren
Inhalten.
Politisches Theater etwa in der Art der ideologisch bestimmten frühen
Lehrstücke von Bert Brecht findet nicht statt in der Hüxstraße, würde
auch nicht mehr in die Zeit passen. Gesellschaftskritik dagegen ist
durchaus ein Charakteristikum, jedoch nicht auf eine bestimmte
Richtung fixiert und auch nicht als politische Attacke auf ein
äußerliches System zu verstehen. Positiv, und ein wenig vereinfacht
lässt sich sagen, dass in fast allen Stücken soziale Probleme im
Mittelpunkt stehen, der Einzelmensch in seinen Beziehungen zu
Partnern und seinem Umfeld. Und das gilt definitiv auch für die Spiele
mit dem Untertitel „Komödie". viele der im Combinale Theater
gespielten Stücke dienen. Die Darstellung menschlicher
Probleme auf der Bühne sind sehr wirksam, wenn es um fassbare
Einzelschicksale geht. Da sind im Kontext der gegenwärtigen
gesellschaftlichen Verhältnisse Frauen besonders betroffen, gibt es
entsprechende Theaterstücke, die oft und bewusst im Combinale
Theater gespielt.
Die breite Streuung der unterschiedlichen und weit gefächerten
inhaltlichen Schwerpunkte ist das eine Kennzeichen des Combinale
Theaters, das andere ist die Variation der dramatischen Formen ,
wobei sich zwischen Komödie und ernsten Stücken oftmals nicht
unterscheiden lässt ernsthafter Form, wie sie in.. Ernsthaftes
Theaterspiel kann durchaus komisch sein, das zeigt das Combinale
besonders in grotesken und absurden Stücken, und wenn das
Ensemble in den Bereich des slapstick geht, dann eben mit
spielerischer Artistik, über die es genau so verfügt, wie über
wirkungsvolle Wandlungsfähigkeit, wenn es zum Beispiel darum geht,
in einem Stück mehrere Personen darzustellen. Sigrid Dettlof und ihre
beiden Kollegen spielen nun seit Jahrzehnten in ihrem kleinen
Theater, in wechselnden Besetzungen, mit Gästen und auch in
Solostücken. Da hat sich bei den Erfolgen auch eine „Fan-Gemeinde"
gebildet.
Aber trotzdem ist das Ensemble von einem „Startheater" weit entfernt,
wie es Tournee-Theater oft anbieten, bei denen „Promi-Darsteller"
immer nur sich selbst spielen, unabhängig von den unterschiedlichen
Rollen. Das Stammpublikum des Combinale weiß um die
Wandlungsfähigkeit der Ensemblemitglieder, die Vielseitigkeit des
spielerischen Können , das auch Singen und Tanzen einschließt, und
erwartet bei jeder Produktion dem neuen Stück entsprechende
Varianten.

Das Combinale Theater hat seine Zuschauerzahlen seit dem Einzug in
das Haus in der Altstadt kontinuierlich steigern können. Das Publikum
bildet einen Querschnitt theaterinteressierter Leute, ist weder alters-
noch schichtenspezifiziert. Da die Auslastung des kleinen Raums im
Schnitt über 90% liegt , hat die Zahl der Aufführungen pro Saison
entsprechend zugenommen , erfolgreiche Stücke werden über mehrere
Spielzeiten angeboten bzw. wieder aufgenommen. Besonders zum
Jahresende werden Besuche im Combinale als Teil von Betriebsfeiern
gebucht, und erfreulich ist, dass die Zahl der Schulveranstaltungen
stetig zunimmt.
Um eine Ausweitung der seiner Spielorte, in denen Gastspiele als
Terminblöcke mit mehreren Aufführungen desselben Stücks möglich
sind, um um die dafür benötigte Kooperation bemüht sich das
Combinale. Einzelgastspiele sind aus technischen Gründen nicht
realisierbar.
Das von Sigrid Dettlof geleitete Improvisationtheater, die
„Improshows" erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sind fast immer
ausverkauft. Das inzwischen halbprofessionelle Ensemble wird ergänzt
durch eine Nachwuchsgruppe.
Das zu einem Studio ausgebaute Foyer wird für die Werkstattarbeit
genutzt : Wolfgang Benninghoven und Sigrid Dettlof leiten
Schauspielkurse für Jugendliche und junge Erwachsene und zeigen
dort die Ergebnisse ihrer Arbeit. Gruppen, die Kindertheater spielen,
sind regelmäßig zu Gast in der Hüxstraße, auch Lesungen sind
geplant. Der Spielort des Combinale könnte sich nach den
Vorstellungen des Combinale Teams entwickeln zu einer „open stage",
die sowohl inhaltlich wie auch in der Form der Darbietung offen ist für
alle künstlerisch arbeitenden Leute, wobei sie vor allem an die
Förderung von Nachwuchskräften denken.
So ist das Hinterhaus in der Altstadt zu einem festen und vielseitigen
Ort in der Lübecker Theaterlandschaft geworden und wird es
hoffentlich bleiben, auch wenn Kürzungen bei den institutionellen
Zuwendungen nicht zu vermeiden sind.
Combinale| das Theater ist weder Alternative, noch Konkurrenz zu den
Städtischen Bühnen, es ist eine attraktive Ergänzung, oder anders
gesagt: Das Combinale ist „ off-Beckergrube" Theater.

KURZFASSUNG EINES ARTIKELS VON RUDOLF HöPPNER AUS „DER WAGEN-EIN
LÜBECKER JAHRBUCH" 2006



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Anhang :

Spielplanübersicht:

1981 - 1989 : die freien Theatergruppen „Taktlos Theater" und „Top of
the Flop" spielen eigene Produktionen.

Top of the Flop

Pantomime 2000 1982
Blut ist dicker als Wasser 1984
Kein Grund zur Ursache 1987

Der Wasserschaden 1989

Taktlos Theater

Intermetzel
Herzattacke
bittersüß
hab die Liebe gesehn 1988
Donna Magarida

 

Theater Combinale in der Hüxstraße


1990 : „Das Mietshaus" , erste gemeinsame Eigenproduktion als
Theater Combinale
1991 : „Beiseite gesprochen" , Eigenproduktion nach Tardieu und
„Endspiel" von Beckett
1992 : „Yvonne, die Burgunderprinzessin" von Witold Gobrowicz
1993 : 5 Szenen nach Tardieux
1994: „Solaris", Eigenproduktion nach dem Roman von Stanislaus Lem
1995 : „Achtung Stau - der Erlöser am Kamener Kreuz" ,
Eigenproduktion
1996: „Veronikas Zimmer" von Ira Levin
„Cornflakes", Eigenproduktion
1997: „high huhn" , Eigenproduktion nach Ken Campbell
„Herren" von Jan Ericson
„Talking Heads" von Alan Bennet
1998 : "Messer in Hennen" von David Harrower
„Babettes Fest" Baader/Detje nach dem Roman von Tanja
Blixen
1999: „Enigma" von Eric-Emmanuel Schmitt
„Honigmond" von Gabriel Barylli
„Unter der Gürtellinie" von Richard Dressler
2000:"Gänsebraten" von Robin Detje nach Texten von Thomas
Kapielski
„ Die Herrmannsschlacht" von Uli Bree und Klaus Pieber
„Cyrano de Bergerac" von Joe Roets nach Edmond Rostand
„Vagina Monologe" von Eve Ensler
2001: „Ich Romeo, du Julia", Eigenproduktion
„Top Dogs" von Urs Widmer
„Der Messias" von Patrik Barlow
„Die Acht- Reindeer Monologe" von Jeff Goode
2002 : „ Fahrt ohne Schlaf", Eigenproduktion nach Texten von Erika
Mann

2003 : „Vier Männer im Nebel" von Tim Firth
„Bash - Stücke der letzten Tage" von Neil LaBute
„Auf Station" von Robin Detje

2004 : „Elling" von Peter Naes
„Kohlhaas" von Baliani und Rostagno nach der Novelle von Kleist
„Kaltgestellt" von Michele Lowe

2005: „Empfänger unbekannt „ von Kathrin Klressmann Taylor
„Wirklich schade um Fred" von James Saunders
„ Geschichten am Meer" Eigenproduktion
„Sylvia" von Aylbert Ramsdell Gurney

2006: "Gretchen 89ff" von Lutz Hübner ^Gretchen 89ff. Part I 10.03.2006
Creeps 26.03.2006 Jugend
Die Grönholm-Methode 08.09.2006
Gretchen 89ff. Part II 10.11.2006

 

2007: "Drei Mal Leben" 09.03.2007
"Criminale Combinale" 2007
RealAct 24.05.2007Jugend*
"Kraba"t* 01.09.07

 

 

2008: "Die Wanze" 07.02.2008
"Du bist meine Mutter" 01.03.2008
"Was machen wir jetzt"* 17.09.2008
"Revanche" 14.11.2008
"Oskar und die Dame in Rosa" 23.11.2008

 

2009: "Odyssee am Strand"* 13.06. 2009
"Fantasia Flamenca" *19.06.09
"Royale"* 24.09.2009
"Der Kontrabass" 13.11.2009
"Festausschuss"* 27.11.2009

 

2010: "Das Spielfilm"*.,12.02.2010
"Des Pudels KernPudels"*, 26.03.2010


* eigenes Stück, Dramatisierung oder Übersetzung


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