ÜBER MÜTTER

ÜBER MÜTTER


 


Es gibt noch einen Durchgang! Weitere Vorstellungen von Über Mütter eröffnen das Jahr 2018!

 

Lübeck - Am Anfang machen sich drei Engel, die Arme auf weiße Wolkenkis­sen gestützt, Gedanken über die „Kro­ne der Schöpfung". Zwei unterschiedli­che Arten von Menschen haben sie sich ausgedacht. Der einen Art will man die Gabe der Vermehrung über­tragen, der Frau. Sie soll Kinder gebä­ren. Damit die andere Sorte, der Mann, nicht in Depressionen verfällt, wird das Heraustreten des Nachwuch­ses in diese Welt mit Schmerzen ver­bunden. „Über Mütter" heißt das Stück, mit dem das Theater Combina­le die Spielzeit 2012/13 eröffnete.

Drei Mütter, drei hervorragend auf­einander abgestimmte und dennoch sehr unterschiedliche Charaktere ste­hen auf der Szene. Starke Frauen, lie­bende und leidende Mütter. Nicht nur die Frauen fanden sich bei der Premie­re wieder. Auch die Männer im Publi­kum - irgendwie gehören sie ja auch dazu - amüsierten sich, wurden an an­deren Stellen sogar nachdenklich.

Im Original haben sechs kanadische Schauspielerinnen und Mütter die Sze­nen erdacht. Für das Combinale wur­de eine eigene Fassung erarbeitet, mit reduzierter Personenzahl, mit großen und großartigen Aufgaben für Jede im Damentrio. Das beginnt mit der Vorbe­reitung auf die erste Geburt, dann der entscheidende Akt selbst. Schmerzensschreie erfüllen den Raum.

 

Alle kosten Freuden und Leiden der folgenden Stationen durch. Der Voll­zeitjob der Mutter im Gegensatz zum beruflich engagierten Vater wird deut­lich. Wenn ER den Schreibtisch für vier Stunden verließe, ginge die Welt nicht unter. Wenn aber SIE die Kleinen vier Stunden vergäße, könnten Katastro­phen heraufziehen. Sie wachsen heran, die süßen Klei­nen, pubertieren, verlieben sich, schleppen die ersten Freunde an, fin­den plötzlich Mama „nur peinlich". Der Barras, Sex im Alter - das alles wird angesprochen, deutlich und den­noch ohne Peinlichkeiten. Die Männer spielen an diesem Abend eine unterge­ordnete Rolle, kommen nur in Briefen oder mit verbalen Einwürfen vor.

Mignon Reme aus Hamburg hat die Szenen mit Sigrid Dettlof, Dagmar Dre- ke und Alexandra Neelmeyer treffsi­cher einstudiert. Die Darstellerinnen dürfen Emotionen herausstellen, ohne in Klamauk abzugleiten, sind mit Iro­nie und neuen Erkenntnissen dabei. Am Schluss schauen sich die drei En­gel an, was aus den von ihnen erdach­ten Geschöpfen geworden ist. Haben sie zu viel aus der Büchse mit der Auf­schrift „Freier Wille" ausgeschüttet? Aber da wird es dann fast theologisch. Das Publikum zollte immer wieder Sze­nenapplaus. Das Eröffnungsstück im Combinale wird nicht nur die Premie­renbesucher begeistern. 

 Lübecker Nachrichten  (kd)


„Über Mütter“ 

Wird eine Frau Mutter, verändert sich ihr Leben, ihr Verhältnis zu ihrem Mann, ihrem Beruf . Wie wird sie mit der Fremdbestimmung durch den banalen Ablauf des veränderten Alltags fertig ? Die Antwort darauf haben sechs kanadische Schauspielerinnen mit einer Reihe biografischer Ereignisse gegeben und als Theaterstück „Mom’s the Word“ präsentiert.

„Über Mütter“ ist die deutsche Fassung, auf drei Spielerinnen reduziert, von Sigrid Dettlof und der Regisseurin Mignon Remè dramaturgisch für das Combinale Theater zubereitet.

Inhaltlich geht es im Stück um handfeste Probleme mit einem hohen Wiedererkennungsfaktor für das Publikum, das auch sofort reagiert . Mit  der offenen Form ist auch der enge Kontakt  gewährleistet . Neben Szenen mit Dialogen  wird auch direkt erzählt, die Zuschauer werden angesprochen. Dann wieder sind es innere Monologe , wie sie vielen Müttern durch den Kopf gehen.

Es gibt eine Rahmenhandlung : ein „Vorspiel im Himmel“, in dem drei „Engel“ festlegen, wie die Produktion kleiner Menschen vor sich gehen soll, und ein Nachspiel, in dem sie feststellen, was daraus geworden ist.

Sigrid Dettlof  holte sich zwei Kolleginnen aus Hamburg ins Combinale : Dagmar Dreke und Alexandra Neelmeyer . Dem Trio gelang ein wechselvolles  und im Tempo differenziertes Spiel . Die emotionalen Reaktionen auf die Überraschungen , die Kinder verursachen, wurden pointiert herausgespielt. Das war nicht immer nur zum Lachen, wie wenn zum Beispiel ein Kleinkind anfängt, seine eigenen Wege zu krabbeln , oder aus dem Zimmer der Tochter überraschend ein junger Mann kommt. Da erzählte Dagmar Dreke sehr feinfühlig, wie sie ihr „Frühchen“ drei Monate nach der Geburt aus der Klinik holt, und Sigrid Dettlof  muss wegstecken, dass  ihre teenagerige Tochter die Erscheinung ihrer Mutter als ‚peinlich’ bezeichnet.

Die Männer kommen meist schlecht weg, so wenn Alexandra Neelmeyer  von der Bergwanderung berichtet, bei der der Familienvater zwar den ahnungslosen  Bestimmer spielt, aber letztlich dann auf die Mutter angewiesen  ist, als es kritisch wird.

Der Text des Stücks bietet eine wirkungsvolle Sprache mit gegensätzlichen Ebenen .

Das wurde in der Inszenierung  intensiviert durch entsprechende Dynamik – so in der Szene im Camp, wo sich zwei der Mütter einer Disziplinübung unterziehen und von Alexandra Neelmeyers Kommandostimme  zusammengestaucht werden.

Satirische Überhöhungen von Alltagssituationen wechselten ab mit Problemen, bei denen Mütter allein gelassen werden, sei es die Angst vor Brustkrebs, das Loslassen des Sohne vor seinem Auslandsschuljahr , die sexuelle Aufklärung der Kinder oder auch Jugendkriminalität.

Die „Engel“ im Nachspiel wundern sich, dass Frauen immer noch Mütter werden.

Viel Applaus bei der Premiere – ein anspruchsvoller Theaterspaß im Combinale.

Auch für Männer.

Lübeckische Blätter  (Rudolf Höppner)

„Über Mütter": Bald Kult am Combinale

"Lübeck. Wie fühlt sich eine Geburt an? „Ziehen Sie einfach mal Ihre Oberlippe breit. Noch breiter. Tut weh? Und jetzt nach hinten über Ihren Kopf.“ Der Abend Über Mütter ist voll von solchen Sätzen,die auf groteske Art übertreiben und doch zielgenau ins Schwarze treffen. Aus der Vorlage  Mom‘s the word, geschrieben von sechs kanadischen Schauspielerinnen (und Müttern), hat das Theater Combinale in Lübeck eine Szenenfolge für drei Schauspielerinnen (und Mütter) gemacht - gnadenlos unterhaltsam, aber durchaus mit Tiefgang. Das Premierenpublikum, überwiegend weiblich, war nach zwei Stunden begeistert. Bevor es um Windeln, Brei,wenig Schlaf und noch weniger Sex geht, um das Gefühl ständig auszusehen wie ein Teller Grütze und sich von Mary Pop-pins am Morgen in Frau Mahlzahn am Abend zu verwandeln, kurzum: Bevor alle im Kern so wahren Klischees über Kleinkinder-Mütter lustig ausgeschlachtet werden, erfährt man, wer sich das mit der Geburt ausgedacht haben könnte: Ein göttliches Trio, das die Sache mit der winzigen Gebäröffnung amüsant fand und die Männer mit einem starken Ego für die entgangene Erfahrung des Schwangerseins entschädigen wollte. So oder so, die Jahre fliegen dahin und im zweiten Teil sind aus den Kindern maulende Teenager geworden, mit denen Mütter sich besser erst nach paramilitärischer Unterweisung in einem Bootcamp anlegen sollten – die beste Szene.

Glänzend geführt von Regisseurin Mignon Remé, überzeugen die Schauspielerinnen Sigrid Dettlof, Dagmar Dreke und Alexandra Neelmeyer durch rasante Spielfreude und perfektes Timing und brauchen auf der Bühne nichts weiter als ein paar weiße Kästen, drei Kissen und einen Stuhl. Unter Müttern wird das neue Combinale-Kult-Stück.   
Kieler Nachrichten
, Sabine Spatzek (14.09.2012)


 

Fotos: Migo Eichholz