• Achtsam morden
    Achtsam morden
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    Ein Achtsamkeitskrimi nach dem Roman von Karsten Dusse

    Auf Geheiß seiner Ehefrau soll Strafverteidiger Björn Diemel endlich seine Work-Life-Balance in Ordnung bringen. 
    Sie schickt den smarten Anwalt, der sich im Arbeitsalltag um das Wohlbefinden der organisierten Kriminalität kümmert, kurzerhand zu einem Achtsamkeitscoach. 
    Doch was er dort lernt – und erfolgreich anwendet – verändert nicht nur sein Leben, sondern auch die Hierarchie im Unterwelt-Milieu.
    Björn Diemel erweist sich als wahrer Musterschüler seines Achtsamkeitscoaches – mit zwar fatalen Folgen, aber zum Wohle seiner Familie.

    In dieser temporeichen Bühnenbearbeitung von Karsten Dusses Erfolgsroman in der Regie von Sebastian Wirnitzer beherrscht Ulli Haussmann als gewiefter Strafverteidiger Diemel die Bühne, während Clarissa Börner und Knut Peters tief in die Klischeekiste greifen und in neunzehn weiteren Rollen rotieren. Die drei Schauspieler:innen sind achtsam bemüht, der rasanten Geschichte entschleunigt auf den Fersen zu bleiben – und erschaffen so eine humorexplosive Mischung aus Kriminalkomödie und Ratgeberparodie.
    Ein furioses Theatererlebnis voller schwarzem Humor, unerwarteter Wendungen und der brisanten Frage: Was passiert, wenn ein Anwalt der Unterwelt plötzlich Zen übt?
    Ein Abend, der beweist: Manchmal kann Selbstoptimierung ganz schön gefährlich werden - vor allem für andere.

    Eine Bearbeitung des Romanes von Karsten Dusse durch Bernd Schmidt. Alle Rechte bei Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH

    Mit
    Clarissa Börner, Ulli Haussmann und Knut Peters
    Regie
    Sebastian Wirnitzer
    Bühnenbild
    Sebastian Wirnitzer
    Kostüme
    Katia Diegmann
    Video
    Katharina Spuida
    Lichtdesign
    Migo Eichholz
    Technik
    Tobias Pupp
    Bühnenbau
    Stefan Teichmann (Tonkunst)

    Pressestimmen

    Drei Leute für ein Halleluja

    Er ist wieder da: „Der Messias“ im Theater Combinale

    Wat mutt, dat mutt. Zu Silvester gehört „Dinner for One“ und im Theater Combinale zur Adventszeit „Der Messias“. Seit 2001 steht die von Stephanie Kunz eingerichtete Weihnachtskomödie von Patrick Barlow hier immer mal wieder auf dem Spielplan, in diesem Jahr unter der Wiederaufnahmeregie von Knut Peters mit UlliHaussmann als Bernhard bzw. Maria, Sebastian Wirnitzer als Theo bzw. Josef und Lidwina Wurth als Sängerin Frau Timm. Was soll man sagen? Ein Fest der hellen Freude!
    Das Premierenpublikum kennt sich aus. In Reihe 2, 6 und 7 zum Beispiel wird der Text mitgemurmelt, weiter hinten vorauseilend gelacht und auch vorne in der ersten Reihe weiß man offenbar, was als nächstes passieren wird. Spätestens jetzt merkt die „Messias“-Novizin, dass sie in eine Kult-Veranstaltung hineingeraten ist. Der Funke ist da schon längst übergesprungen, denn das Trio Haussmann, Wirnitzer, Wurth nimmt die Zuschauer mit auf eine wilde Reise durch Tiefen, Untiefen und durchaus auch seichtere Stellen des Humors. Spitzfindige Streifzüge durch den Kulturkanon sind dabei, Goethe trifft Asterix, und furchtlos wird auch Klamauk serviert. Es gibt also für jeden etwas, wie Weihnachten zu Hause eben.
    Für die wenigen, denen die Geschichte fremd ist, eine kurze Einführung: In einem kleinen Theater wollen zwei Schauspieler, unterstützt von einer Sängerin, Händels „Messias“ aufführen. Die Requisiten in dem mutmaßlich am Rande seiner Existenz laborierenden Haus sind übersichtlich. Ein intakter Stuhl und einer, der zerfällt, ein Notenständer, ein mit (versagender) Glühbirne erhellter Stern über Bethlehem, eine Kiste auf Rollen als Esel, ein paar Kopfbedeckungen und – textiler Hauptdarsteller! – ein breiter roter Vorhang. Die beiden Schauspieler warten auf die Sängerin, die für festliche Stimmung sorgen soll. Und schon nimmt das theatrale Chaos seinen Lauf. Die Sängerin verspätet sich und auf der Bühne kann man sich nicht einigen, wer was mit welchen Texten spielt. Musik gibt’s auch, Halleluja. Händel, Bach und von der verhaltensoriginellen Sängerin eine„Carmen“-Einlage. Bei Bachs „Gloria in excelsis Deo“ ist das Publikum aufgefordert mitzusingen – und folgt, ohnehin alsStimmungs-Chorus längst eingebunden, willig. Höhepunkt ist die Geburt Jesu. „Erstmals bringen zwei Männer auf einer deutschen Bühne ein Kind zur Welt“, lockt das Stück vorweg. 
    Ja: Da wird tatsächlich die Weihnachtsgeschichte erzählt, irgendwie jedenfalls. Mit Römern, die dem Volk auf die Nerven gehen. Mit Josef, Maria und einer Schwangerschaft, die von einem einfältigen Bräutigam und einer von Hormonen überfluteten Teenie-Frau nicht zu fassen ist. Und ein armer Theaterbetrieb. Ein bisschen nimmt sich das Combinale dabei selbst auf die Schippe, allerdings mit listigem Augenzwinkern. Die – natürlich professionelle – Crew erlebt das anerkennende Echo aus dem Publikum unmittelbar: Zwischenapplaus, Heiterkeit, anfeuernde Pfiffe.
    Es gibt viele Gründe, Weihnachten zu feiern. Es gibt auch viele Gründe, die Feiern zu meiden. Fest-Muffel sind im „Messias“ ebenso gut aufgehoben wie Fest-Enthusiasten. Gottes Sohn wird im Combinale noch bis zum 20. Dezem- ber geboren. Hingehen!

    Karin Lubowski in Lübeckische Blätter 20/2025

    Premiere im Theater Combinale: Wie man „Achtsam morden“ kann

    Krimi-Groteske zum Auftakt der Spielzeit bietet ein kurzweiliges Stück, das auch an einer Tradition des Hauses festhält
    Von Michael Berger 

    Der Begriff „Achtsamkeit“ hat in akademischen Kreisen seit einiger Zeit Konjunktur, mit ihm soll eine ethische Haltung bezeichnet werden: „Eine Form der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse und Belange anderer Menschen.“ So steht es bei Wikipedia.

    Ganz anders nutzt den Begriff Rechtsanwalt Björn Diemel. Er sorgt sich vor allem um sich selbst, und zwar mithilfe seines Achtsamkeitscoachs. Björn hat dessen Unterstützung nötig. Denn der gestresste Mann hat erstens eine Leiche im Kofferraum seines Wagens, zweitens seine Gattin mit der Forderung nach mehr ehelicher Präsenz am Hals, drittens mit ihr gemeinsam ein Kleinkind, um das er sich kümmern sollte.

    Vom Rechtsbeistand zum Strippenzieher

    Das ist die Ausgangssituation in „Achtsam Morden“, dem Krimi des Rechtsanwalts und Autors Karsten Dusse. Und so ist die Lage in der Dramatisierung des Stoffes, die jetzt im Lübecker Theater Combinale Premiere hatte.

    Zunächst stürmt der Schauspieler Ulli Haussmann als Björn im blutverschmierten Overall auf die Bühne, in der Hand eine lärmende Kettensäge. Aha – da gab es ein Opfer. Ja, und es wird noch einige Tote mehr geben, denn dieser Björn bewegt sich im Milieu des organisierten Verbrechens, zunächst nur als Rechtsbeistand, dann immer mehr als Strippenzieher.

    Wir erleben ihn im schmalen rosafarbenen Anzug als Klienten des Achtsamkeitsgurus Joschka Breitner, Autor des Ratgebers „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“, der, gewandet in Sannyasin-Rot, Björn lauwarmen grünen Tee und Kalenderweisheiten serviert: „Ein Weg wird nicht kürzer, wenn man rennt.“ Oder: „Suche nicht nach Aufgaben, die Aufgaben suchen dich.“

    Drei Schauspieler in 19 Rollen

    Knut Peters spielt diesen Lebensberater als von sich selbst überzeugten Besserwisser. Er kündigt seine Interventionen stets mit einem Gongschlag an. Und sehr flink ist er ein ganz anderer. Da es nur zwei Schauspieler und eine Darstellerin (Clarissa Börner) gibt und Haussmann mit der Rolle des Björn ausgelastet ist, müssen Peters und Börner insgesamt 18 verschiedene Personen darstellen.

    Es gibt ein Arsenal von Mafiosi, die auf die Namen Dragan (Totschläger vom Balkan), Boris (russischer Killer im Pelz), Toni (Verhörspezialist ohne Skrupel) oder auch Sascha (Handlanger Dragans, im Nebenberuf Erzieher) hören. Sie haben sich in der Klientenkartei des Anwaltsbüros angesammelt, und Björn droht, zwischen ihnen zerrieben zu werden. Deshalb entledigt er sich zunächst nach der Achtsamkeitslehre seines größten Problems, das Dragan heißt.

    Man verliert leicht den Überblick, wer da gegen wen antichambriert, zumal noch eine Kommissarin, eine Puffmutter, diverse Kinderhort-Betreiber und auch Kinder mitmischen. Wenn die drei Bühnenkräfte nicht ausreichen, um die Hauptversammlung des Gangster-Gewerbes darzustellen, werden Teilnehmer per Video auf die Bühne projiziert. Das geht so virtuos wie humorvoll vonstatten, dass man kleine Pannen verzeiht.

    Ironischer Blick auf den Theaterbetrieb

    Um Realismus geht es ohnehin nicht bei dieser ersten Inszenierung des neuen Combinale-Co-Chefs Sebastian Wirnitzer. Wie an diesem Haus üblich, wird kaum eine Ironisierung des Theaterbetriebs ausgelassen. Sei es, wenn sich Haussmann mit Erörterungen aus dem Innenleben seiner Figur ans Publikum wendet. Wenn er, um Ordnung ins Geschehen zu bringen, die Beziehungen der Figuren untereinander auf einem Flipchart erklärt. Oder wenn durch die drei Schwingtüren des Bühnenbildes immer neue Problemfälle auflaufen.

    Es ist jedenfalls ein Vergnügen zu erleben, wie Haussmann seinen Björn immer skrupelloser vom fürsorglichen Vater und Ehemann zum Kettensägen-Rächer aus Sorge um das eigene Wohlbefinden verwandelt.

    Als Kritik an der Ethik der Achtsamkeit darf man das Stück allerdings nicht verstehen, es schlängelt sich dahin zwischen Karikatur und Groteske. „Man hat mehr vom Weg, wenn man schwankt“, heißt es einmal.

    aus: Lübecker Nachrichten vom 28.09.2025

     

    Meuchelei im Hier und Jetzt

    Theater Combinale startet mit der Krimi-Groteske „Achtsam morden“ in die neue Spielzeit

    Der steile Zuschauerraum des Theater Combinale ist zur Premiere bis auf den sprichwörtlichen letzten Platz
    ausverkauft. Was da zur Saisoneröffnung auf dem Spielplan steht, hat sich bereits im Vorfeld als Leckerbissen
    des Boulevard-Theaters angekündigt: „Achtsam morden“, eine Krimi-Groteske nach der Romanreihe des Autors und
    Rechtsanwalts Karsten Dusse, eingerichtet für die kleine Bühne von Sebastian Wirnitzer, dem neuen Mitglied im
    Combinale-Leitungsteam. Es entfaltet sich ein Feuerwerk witziger Ideen, die von drei Darstellenden in insgesamt 19
    Rollen mit tiefem Gefühl für schwarzen Humor umgesetzt werden.
    Worum geht es? Strafverteidiger Björn (Ulli Haussmann) steht unter Druck. Da ist einerseits seine im mafiösen Milieu
    angesiedelte schwierige Klientel, die permanente Einsatzbereitschaft verlangt, und andererseits seine Frau (Clarissa
    Börner), die Beteiligung an der Familienarbeit einfordert. Sie schickt Björn zum Achtsamkeitscoach Joschka Breitner
    (Knut Peters), auf dass der Gatte lerne, richtige Prioritäten zu setzen. Das wird er auch tun, allerdings anders, als die
    Haltung der Achtsamkeit es anstrebt. Die richtet sich im wirklich wahren Leben ja sehr sinnvoll darauf aus, mit der
    Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu bleiben, und ist somitein Gegenentwurf zum Multitasking.
    Die Achtsamkeit des Anwalts Björn richtet sich vielmehr auf die Reduzierung seiner Probleme mittels Mord. Und das wird gleich am Anfang unmissverständlich übermittelt, wenn Björn mit blutverschmiertem Overall und Kettensäge im Anschlag einem Vogel hinterherschimpft, der einen Finger stibitzt hat, der einmal dem gehörte, den er gerade in handliche Stücke zerteilt.
    „Der erste Schritt einer guten Lösung ist, überhaupt erst mal ein Problem zu haben. Viele tolle Lösungsansätze scheitern
    bereits daran, dass es gar kein Problem gibt, zu dem sie passen.“ Das war schon im Combinale-Foyer zu lesen,
    es stammt aus dem fiktiven Buch „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“ des Joschka
    Breitner, der im Laufe des Stückes aus dem Coaching-Nähkästchen plaudern wird. Dafür schlägt der in gelassenes
    Rot gekleidete Meister jeweils den Gong. „Suche nicht nach Aufgaben, die Aufgaben suchen dich“, gibt er dem Ratsuchenden auf den Weg, und „Ein Weg wird nicht kürzer, wenn man rennt“.
    Fast will sich die Sinnleere der Kalendersprüche im Tempo verlieren (aber eben nur fast!), mit dem das Spiel vorangeht.
    Wie gesagt: 19 Rollen kommen insgesamt ins Spiel, 18 davon, u.a. Ehefrau, Kind, Mafiosi, konkurrierende Mafiosi,
    Mafiosi-Gehilfe, Erzieher, Polizistin, füllen Clarissa Börnerund Knut Peters aus, Haussmann ist mit Anwalt Björn ausgelastet. Und wenn das Stück mehr Personal verlangt, wird das per Video lebensgroß eingespielt. Zwischendrin nimmt sich der Theaterbetrieb immer mal wieder selbst auf die Schippe.
    Da tritt Ulli Haussmann kurzerhand aus seiner Rolle heraus und versucht, das Personal-Knäuel per Flipchart zu entwirren, und wenn Knut Peters gerade nicht den Achtsamkeits-Gong schlagen kann, weil er in einer Gangster-Rolle steckt, dann springt Kollegin Clarissa Börner ein.
    Es ist ein üppiger Spaß, der da zelebriert wird – nicht nur für das Publikum, offensichtlich auch für die, die ihn
    bereiten. Nur an einer Stelle geht es mit der Regie durch: Folter ist nicht komisch, auch nicht als Schattenspiel. Aber
    wie sagt Joschka Breitner doch gleich: „Man hat mehr vom Weg, wenn man schwankt.“

    Karin Lubowski in Lübeckische Blätter 16/2025

    Radiobeitrag im Offenen Kanal Lübeck

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