• herzzerreißend und umwerfend komisch zugleich
    All das Schöne
  • All das Schöne

    Ein Stück übers Leben und Überleben in schweren Zeiten

    Der Autor Duncan MacMillan hat ein Theaterstück über die schönen Dinge im Leben geschrieben, für die es sich zu leben lohnt. Darüber, was unser Leben heller und in manchen Phasen auch erträglicher macht. Es ist ein Stück über die Kraft, dem Traurigen und Schweren, das es in jeder Lebensgeschichte gibt, zu trotzen:

    Wie reagiert beispielsweise ein siebenjähriges Kind auf den Suizidversuch seiner Mutter?
    Ganz klar! Es sammelt „all das Schöne“, schreibt ihr eine Liste mit alldem, was an der Welt schön und lebenswert ist:

    1. Eiscreme,
    2. Wasserschlachten,
    3. Länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen…
    25. Einen Superhelden-Umhang tragen

    Es hofft, darüber die Erwachsenen zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Und es wünscht sich, dass sie nicht aufgibt und alles wieder gut wird.

    Wird es nicht wirklich, aber die Liste wächst und wird zum ständigen Begleiter, während das Kind zum Teenager wird, mit dem Studium anfängt, sich zum ersten Mal verliebt. Eine seltsame Traurigkeit bleibt ihm über die Jahre, es gibt Abstürze, peinliche Situationen, Verletzungen und einen Vater, der nicht helfen kann. Die Mutmach-Liste, die ihm eine Million Gründe liefert, das Leben zu lieben, kann die Mutter nicht retten, aber ihren Verfasser.

    „All das Schöne“ ist auch ein Stück über Abgründe und Hoffnungen, über das, was uns verzweifeln und das, was uns leuchten lässt - herzzerreißend und umwerfend komisch zugleich. Ein Stück übers Leben und Überleben in schweren Zeiten. „All das Schöne“ ist aber vor allem ein Stück darüber, dass Humor, Freundschaft und Liebe am Ende überwiegen und dass die Liebe stärker ist als der Tod.

    Zum ersten Mal inszeniert der Potsdamer Regisseur Sebastian Wirnitzer in unserem Hause. Mit Knut Peters in der Hauptrolle bringt er den eineinhalbstündigen „Monolog mit dem Publikum“ auf die Bühne des Combinale.

    (Every Brilliant Thing) von Duncan Macmillan, Mitarbeit Jonny Donahoe / Deutsch von Corinna Brocher
    © und Aufführungsrechte bei Rowohlt Theater Verlag

    Mit:
    Knut Peters
    Regie und Bühne:
    Sebastian Wirnitzer
    Licht- und Tontechnik:
    Tobias Pupp

    Alle Termine

    Mai 2022

    Samstag 21. Mai 20:00 Uhr
    Mittwoch 25. Mai 19:30 Uhr

    Juni 2022

    Freitag 03. Juni 20:00 Uhr
    Samstag 04. Juni 20:00 Uhr
    Freitag 10. Juni 20:00 Uhr
    Samstag 11. Juni 20:00 Uhr
    Sonntag 12. Juni 18:00 Uhr

    Pressestimmen

    Wofür es sich zu leben lohnt

    „All das Schöne“ im Theater Combinale: Knut Peters begeisterte in einem intensiven Ein-Personen-Stück

    Petra Haase in Lübecker Nachrichten, Sonntag, 8. Mai 2022

     Eiscreme. Wasserschlachten. Länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen. Einen Superhelden-Umhang tragen: So beginnt die Liste des siebenjährigen Jungen nach dem ersten Suizidversuch seiner Mutter. Es sind Dinge, für die es sich aus seiner Sicht zu leben lohnt, die Liste soll der Mutter Lebensmut geben. „All das Schöne“ ist ein Stück des Briten Duncan MacMillan über Depressionen, am Freitag hatte es im Theater Combinale Premiere.

    Das Publikum sitzt links und rechts auf der Bühne und davor, Knut Peters agiert in der Mitte, und so entsteht von Anfang an eine sehr direkte Beziehung zwischen dem Schauspieler und den Besuchern, die auch ins Spiel einbezogen werden. Knut Peters ist in dem Stück ein mittelalter Mann, der rückblickend sein Leben erzählt, das geprägt wurde durch eine depressive Mutter.

    Es ist ein 90-minütiger Monolog, und dass er nicht ermüdend wird, liegt an der klugen Regie des Potsdamer Gastregisseurs Sebastian Wirnitzer und am intensiven Spiel von Knut Peters. Man nimmt ihm den Siebenjährigen ab, der seinen kranken Hund Herrn Friedrich einschläfern lässt – die erste Begegnung des Protagonisten mit dem Tod. Wir erleben den Heranwachsenden, der Trost bei seiner Betreuungslehrerin findet, wir begleiten ihn auf dem Weg zum Studium und erleben mit, wie der schüchterne junge Mann sich zum ersten Mal verliebt. Und immer wieder kommt die Liste ins Spiel, die er im Laufe der Jahre ergänzt um etwa „Ins Wasser pinkeln, wenn es keiner merkt“ oder „die Aussicht, sich als mexikanischer Wrestler zu verkleiden“.

    Es gibt viel Bewegung auf der Bühne. Knut Peters wechselt umstandslos von rasanten, fast manischen Momenten in stille Traurigkeit, Wut oder Verzweiflung, er füllt den Spielraum mit seiner Energie. Schallplattenmusik liefert den Sound der Kindheit, er singt, tanzt, es gibt viele urkomische, lustige Momente.

    Und die Erkenntnis, dass so eine Liste nichts gegen eine Depression ausrichten kann. Aber sie kann hilfreich sein, sich an das Schöne im Leben zu erinnern und ins Gespräch zu kommen. Das Publikum dankte nach anderthalb Stunden mit langem, lautem Applaus und hatte danach viel Stoff zum Nachdenken. Etwa über Dinge, die man selbst auf die Liste setzen würde.

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    Combinale zeigt „All das Schöne“ – ein Stück zum Thema „Depressionen“ 

    Rasanter Ritt durch ein Leben mit allen Höhen und Tiefen

    HL-live,  Samstag, 14.5.2022

    Wow!! Was haben wir denn da gesehen? Und um was ging es in diesem 80-minütigen Parforceritt? Depressionen!?
    Was das kleine Theater in der Hüxstraße auf die eigens eingerichtete Arenabühne des Hauses gebracht hat, begeistert uneingeschränkt. Das gleich einmal vorweg!

    Der Potsdamer Regisseur Sebastian Wirnitzer hat zusammen mit seinem Darsteller Knut Peters ein ganzes Menschenleben in komprimierten Anderthalbstunden auf die Bühne gebracht und uns gefangen genommen, ohne uns auch nur einmal abschweifen zu lassen. 
    Dabei bedient sich bereits die Stückvorlage des Briten Duncan Macmillan eines raffinierten Kniffs, indem die Zuschauer mit in die Pflicht genommen werden, nummerierte Listeneinträge vorzulesen, sobald deren Nummern vom Hauptdarsteller genannt werden. Man bleibt gespannt dran, auch um bloß den eigenen Einsatz nicht zu verpassen. Die zentrale Ausrichtung der dreiseitigen Bestuhlung auf die sonst karge Arenabühne unterstützt diese Konzentration auf den „Monolog mit dem Publikum“. 
    Es handelt sich bei diesen Listeneinträge um Dinge, für die es sich zu leben lohnt; alles, was an der Welt schön ist. Die Hauptfigur hat diese Liste als Siebenjähriger als Überlebensstrategie für seine depressive Mutter angefangen und sich dann sein eigenes Leben lang von ihr begleiten lassen.
    Wie Knut Peters die Entwicklung vom naiven und unbedarften Siebenjährigen über den wütenden und nicht immer einfühlsamen Teenager hin zum verliebten Twen und desillusionierten Erwachsenen nimmt, ist sehenswert und ein Parforceritt der Gefühle: Ausgelassenheit, Liebe, Spaß und Überdrehtheit, aber auch Verzweiflung, Angst und Wut ziehen sich als Begleiter durch das Leben des Mannes, der die Depressionen der eigenen Mutter bekämpfen will und dabei die eigene Bedrohung nicht unbedingt immer erkennt. 
    Peters gelingt es, sein Publikum durch die Höhen und Tiefen mitzunehmen, ohne es der Schwere und Bedrückung des Themas Depression ungeschützt auszusetzen. Virtuos haben Wirnitzer und sein Darsteller Knut Peters, der nach einigen Jahren der Bühnenabstinenz hier ein furioses Comeback feiert, geschafft, den dunklen Momenten immer wieder helle, fröhliche und Mut machende Aspekte des Lebens entgegenzusetzen. Der Abend ist durchzogen von einer atemlosen Rhythmisierung von Schönem und Bedrückendem, von hell und dunkel, von schnell und langsam, von Abgründen und Untiefen: emotionale Achterbahnfahrt. 
    Die Auseinandersetzung mit einem vermeintlich tabuisierten und schweren Thema wie „Depressionen“ gelingt hier ausnehmend leicht und unterhaltsam. Selten waren Depressionen auf einer Theaterbühne derart sehenswert und „schön“ und vom beeindruckten Premierenpublikum ausgelassen bejubelt.