• "schon fast Welt­theater"
    Besuch bei Mr. Green
  • Besuch bei Mr. Green

    Tragikomödie von Jeff Baron

    "...spannend bis zur letzten Sekunde. Das liegt an den beiden Darstellern Wolfgang Benningho­ven und Rodolphe Bonnin, die un­ter der Regie von Erik Voss alle Re­gister der Schauspielkunst ziehen.
     ...diesen Abend wird man so schnell nicht vergessen.
    ... Großes Theater, schon fast Welt­theater im kleinen Combinale. Und wieder einmal ein Beweis dafür, wie wichtig die kleinen Bühnen in der Theaterlandschaft sind."  
    Lübecker Nachrichten

    "...ein Theaterereignis."  
    Lübeckische Blätter 

    Humorvoll und intelligent .... Mal witzig, mal schonungslos ehrlich wird dem Zuschauer die Bedeutung von Toleranz vor Augen geführt. Rodolphe Bonnin und Wolf­gang Benninghoven nehmen das Publikum auf eine Erlebnisreise in die Welt von sogenannten Minderheiten mit und halten uns dabei einen Spiegel vor.
    Ultimo



    Als der junge erfolgsverwöhnte Angestellte Ross in der Wohnung des 86jährigen Mr. Green auftaucht, will der ihm prompt eine Bratpfanne über den Kopf schlagen. Ross ist allerdings von einem Richter dazu verdonnert worden, sich einmal wöchentlich um den einsamen alten Mann zu kümmern: Als Ross erklärt, dass er in den Verkehrsunfall verwickelt war, bei dem Mr. Green gestürzt ist, steht dessen Urteil fest: Mörder! … andererseits hat der junge Mann Suppe mitgebracht - und soll man etwa gutes Essen vergeuden?
    So erfahren die beiden im Laufe der wöchentlichen Besuche notgedrungen immer mehr persönliche Dinge voneinander. Ross ist verblüfft, dass es in über 50 Ehejahren mit Mr. Greens kürzlich verstorbener Frau Yetta keinen einzigen Streit gegeben haben soll. Und Mr. Green horcht zum ersten Mal auf, als er erfährt, dass Ross auch Jude ist, selbst wenn er den Unterschied zwischen milchick und flaychick nicht kennt – vielleicht lässt sich doch noch ein Mensch aus ihm machen.
    Und dann muss Ross plötzlich feststellen, dass seine Gleichgültigkeit gegenüber jüdischem Brauchtum nicht das Einzige ist, was bei Mr. Green auf völliges Unverständnis stößt. Unversehens findet sich Ross in einer Rolle wieder, mit der er schon seit Jahren hadert: Er muss sich für das rechtfertigen, was er ist. Doch als schließlich das dunkle Geheimnis des sturen Mr. Green ans Licht kommt, beginnen die beiden sich langsam anzunähern, in manchen Momenten sogar vielleicht, ein tieferes Verständnis füreinander zu entwickeln …


    Das 1996 in Massachusetts uraufgeführte Stück thematisiert in humorvollen wie intelligenten Dialogen jüdisches Leben, Diskriminierung durch Vorurteile sowie Konflikte zwischen den Generationen mit jüdischem Witz und feiner Psychologie.
    «Besuch bei Mr. Green» hat sowohl den Kultur-Preis Europa und den 1. Preis der Städte mit Theatergastspielen (Inthega) gewonnen. Damit wird das Schauspiel von Jeff Baron als «Lehrstück für Toleranz und Akzeptanz in Bezug auf Minderheiten» gewürdigt. Seit seiner Uraufführung wurde das Theaterstück in 22 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern aufgeführt.


    Mit:
    Wolfgang Benninghoven und Rodolphe Bonnin
    Regie:
    Erik Voss
    Bühnenbild:
    Moritz Schmidt
    Kostüme:
    Katia Diegmann
    Technik:
    Tobias Pupp
    Regie-Assistenz:
    Caroline von Gelting

    Pressestimmen

    Großes Theater, schon fast Welt­theater im kleinen Combinale

    Viel Applaus für die Premiere von „Besuch bei Mr. Green" von Jeff Baron im Theater Combinale.

    Von Jürgen Feldhoff, Lübecker Nachrichten 23.02.2014

    Lübeck - Alles spielt in einem Raum, „Besuch bei Mr. Green" ist im eigentlichen Sinne ein Kammer­spiel. Aber dieser Raum, der sich im Lübecker Theater Combinale öffnet, ist voll von Schicksal, von Er­innerung, von Ängsten und Nöten, aber auch von Hoffnung. Ein Mikro­kosmos im Makrokosmos von New York, in dem Jeff Baron sein mittler­weile in 41 Ländern aufgeführtes Erfolgsstück angesiedelt hat.
    Mr. Green ist 86 Jahre alt, gläubi­ger Jude, seit kurzer Zeit Witwer und außerdem ein ziemlicher Grantler. Er ist fast von dem jungen Ross angefahren worden, den der Richter daraufhin dazu verdonner­te, bei dem alten Herrn Sozialar­beit zu leisten, sechs Monate lang, einmal die Woche. Green will nie­manden in seiner Wohnung haben, Ross hat keine Lust, sich mit dem Greis abzugeben - das ist der Grundkonflikt, aus dem sich alles Weitere ergibt.
    In sehr einfühlsamen, geschliffe­nen Dialogen lässt Jeff Baron so et­was wie Sympathie zwischen den beiden Antagonisten entstehen. Langsam und tastend gehen Ross und Green miteinander um - erst als Ross die Bemerkung fallen lässt, dass er auch Jude ist, schmilzt bei Green das Eis. Alles wird gut, meint man - aber dann rutscht Ross eine Bemerkung heraus, die alles verändert: Er ist schwul, ein „Faygele", wie es auf Jiddisch heißt. Da ist es dann wieder, das Trennende zwischen dem gläubigen Green und dem „abartigen" Ross. Aber dann verplappert sich auch Green und bekennt sein dunkles Geheim­nis. Er hat seine Tochter verstoßen und für tot erklärt, weil die einen Nicht-Juden geheiratet hat.
    Rodolphe Bonnin (links) spielt den Yuppie Ross, dessen Lebenslüge durch die Begegnung mit Green (Wolfgang Benninghoven) zerbricht.
    Viel Dialog und wenig Hand­lung hat dieses Stück, aber es ist dennoch spannend bis zur letzten Sekunde. Das liegt an den beiden Darstellern Wolfgang Benningho­ven und Rodolphe Bonnin, die un­ter der Regie von Erik Voss alle Re­gister der Schauspielkunst ziehen. Benninghoven ist ein sehr glaub­würdiger Greis und Grantler, zy­nisch, böse und doch vor allem tod­traurig und vereinsamt. Bonnin zeigt die Verwandlung vom redege­wandten Yuppie zum verzweifel­ten Außenseiter mit schon fast be­stürzender Eindringlichkeit.
    Beide Darsteller verfügen über ein großes Repertoire der Aus­drucksmöglichkeiten, sie sprechen und agieren vorzüglich. „Besuch bei Mr. Green" ist ein Schauspie­ler-Stück, das, wenn es gut präsen­tiert wird, den Zuschauer in seinen Bann zieht. Im Combinale ist dies der Fall, diesen Abend wird man so schnell nicht vergessen.
    Ross' Ausbruch der Verzweif­lung, als er von der Ablehnung durch die eigene Familie erzählt, ist einer der Momente, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Oder Greens leise Klage, als er bekennt, dass er seine Tochter noch immer liebt, trotz allem. Benninghoven und Bonnin haben die beiden Figu­ren in einer Art und Weise zum Le­ben erweckt, die beste Theaterun­terhaltung bietet, andererseits aber auch die tragischen Momente herausarbeitet. Der „Besuch bei Mr. Green" ist ein Stück richtiges Leben, weil unverhofft ja wirklich oft kommt und man eigentlich nie weiß, wer gerade an der Tür klopft. Großes Theater, schon fast Welt­theater im kleinen Combinale. Und wieder einmal ein Beweis dafür, wie wichtig die kleinen Bühnen in der Theaterlandschaft sind.


    Jeff Baron,  „Besuch bei Mr. Green“ : Premiere im Theater Combinale

    Dr. Rudolf Höppner, für Lübeckische Blätter

    Jeff Barons Erfolgsstück „Visiting Mr. Green“ von 1996 wird im Theater Combinale in der ansprechenden Übersetzung von Ulrike Sypha als „Besuch bei Mr. Green“ aufgeführt. Es spielt in der Lower East Side in Manhattan. Der junge Ross Gardiner, erfolgreich im Bankwesen tätig, wurde verurteilt, den 86jährigen Mr. Green ein  halbes Jahr einmal wöchentlich zu betreuen . Er hatte ihn durch rücksichtsloses Fahren gefährdet. Der einsame  Alte, Witwer und gläubiger Jude, wehrt sich zunächst gegen die angeordnete Zwangsbeglückung. Dann erfährt er, dass Ross homosexuell ist, aus jüdischer Familie stammt, aber nicht religiös lebt. Und jetzt versucht er, unter Berufung auf Gottes Gebote, dem jungen Mann dessen Veranlagung auszureden. Ross dagegen müht sich, dem alten Kauz praktische Verrichtungen im Haushalt beizubringen, für die früher dessen Frau zuständig war.
    Aus diesem Kontrast ergibt sich ein zugleich hintergründiger wie auch humorvoller Dialog , der zu Streit führen muss. Dann dreht sich das Verhältnis um, als herauskommt, dass Green seine Tochter verstieß, weil sie einen Nichtjuden geheiratet hatte. Nun ist Ross der Vorwurfsvolle , und der alte Green verteidigt seine Entscheidung im Konflikt zwischen Glauben und Liebe zum eigenen Kind.
    Das Stück enthält fast nur Dialoge, alles Geschehen steckt in den beiden Köpfen, wird erzählt. Die Gliederung besteht aus einer Reihe von Szenen – es sind Ross Gardiners  wöchentliche Besuche.
    Erik Voss , assistiert von Caroline von Gelting, gelingt es in seiner Inszenierung,  den Dialog zwischen den zwei Personen über zwei Stunden spannend zu erhalten.
    Seine präzise und differenzierte Wortregie, verstärkt  durch entsprechende Mimik und Körpersprache, besonders auch im Spiel ohne Worte, bringen den Text auf hohem Niveau zur Wirkung. Das umfangreiche Register in der sprachlichen Gestaltung , über das beide Darsteller verfügen, bietet die entsprechende Voraussetzung . Und damit gelingen ihnen die schwierige Darstellung der  gegensätzlichen psychischen Veränderungen, die das Stück spannend und ergreifend erhalten.
    Wolfgang Benninghoven spielt den alten vergnazten Green, zunächst als  einsamen Griesgram, der sich gegen alles wehrt. Warum soll er das Türschloss reparieren, da ihn doch keiner besucht ?  Und wenn der junge Ross erzählt, dass er für den New York Marathon trainiert, führt Green ihn mit verblüffender Logik ad absurdum mit der einfachen Frage : „Wozu?“ . Nachdem Ross sich als schwul bekennt, wird Green zum doktrinären inneren Missionar, bestimmend und autoritär. Aber als  er sein eigenes Fehlverhalten in der Familie einsieht, wird er hilflos und weint.
    Rodolphe Bonnin verändert sich vom coolen Yuppie zum aggressiven Verteidiger seiner Veranlagung: Warum verstößt er gegen Gottes Gebot, obgleich der ihn so erschaffen hat ? Dann reagiert er verständnislos , dass seine Eltern ihn öffentlich lächerlich machen. Und schließlich leitet  er einfühlsam den verbitterten Alten zu einem versöhnlichen Schluss. Die Zuschauer reagierten auf die wechselnden Kontraste einerseits amüsiert, wenn sie z.B. die schrulligen Eigenheiten des Mr. Green aus eigenem Umfeld wiedererkannten, aber auch still und mit Empathie auf die tragischen Konflikte der beiden.
    Beeindruckend ist ebenfalls die Ausstattung:  Das realistische Bühnenbild von Moritz Schmidt enthält veraltete Möbel, ein Rücksetzer bietet den Ausblick auf  die Lower East Side, und die Requisiten passen bis in Einzelheiten. Katia Diegmanns Auswahl der wechselnden Kostüme signalisiert zugleich die Befindlichkeit der Personen, so z.B. wenn der alte Green anstelle der schlumpigen Alltagsklamotten sich ein festliches Outfit für die Versöhnung mit der Tochter anpasst.
    So erreicht die Aufführung im Theater Combinale in allen Bereichen ein ungewöhnlich hohes Niveau . Mit intensivem Beifall  feierte das Premierenpublikum ein Theaterereignis.


    ULTIMO  „Besuch bei Mr. Green“

    Text: Oliver Ballendat

    Der gebrechliche 86-jährige Mr. Green wohnt in New York. Der sture alte Jude verweigert den Kontakt zu seiner Umwelt, hat kein Telefon, öff­net keine Briefe. In der Zeitung interessieren ihn nur die Todesanzeigen. Als Opfer eines Ver­kehrsdeliktes wird sein Leben gehörig auf den Kopf gestellt. Ein richterlicher Beschluss zwingt den Unfallverursacher, sich um Mr. Green zu küm­mern. Ross ist sportlich, jung, erfolgreich, gut­aussehend und ebenfalls jüdischer Herkunft. Anfangs finden beide nur schwer zueinander. Doch als Ross beginnt, dem Alten regelmäßig leckere koschere Suppe mitzubringen, freunden sie sich immer mehr an. Der streng religiöse Mr. Green lehrt dem scheinbaren Lebemann Ross viel über das jüdische Brauchtum und beginnt sogar von seiner verstorbenen Frau zu erzählen. Die freundschaftliche Zuneigung der beiden Männer findet allerdings ein jähes Ende, als der junge Mann etwas ganz Intimes erzählt, das nicht mit dem Weltbild des Mittachtzigers vereinbar ist. Doch auch Mr. Green trägt ein großes Geheim­nis in sich.
    Humorvoll und intelligent thematisiert das Stück Diskriminierung in unterschiedlichen Lebensbe­reichen. Mal witzig, mal schonungslos ehrlich wird dem Zuschauer die Bedeutung von Toleranz vor Augen geführt. Rodolphe Bonnin und Wolf­gang Benninghoven nehmen das Publikum auf eine Erlebnisreise in die Welt von sogenannten Minderheiten mit und halten uns dabei einen Spiegel vor.