• Gelebter Arztroman
    Das Glück hat einen Namen
  • Das Glück hat einen Namen

    "Man verachte das Genre nicht."

    In der Reihe COMBINALE SPITALE, PERLEN DER TRIVIALLITERATUR präsentieren wir die zweite Staffel des gelebten und gelesenen Arztromans.

    Was bisher geschah:
    Prof. Dr. Nikolaus Graf von Tattinger ist ein nobler alter Chirurg, leider zittert sein berühmtes goldenes Skalpell mittlerweile in der ehemals festen Hand. Sabine Lohmann (SIE) wird von lüsternen Arbeitsvermittlern, ihrem unredlichen Freund Knut, ihrer Zimmervermieterin und allgemein vom Leben sehr mies behandelt. Sie wirft sich vor einen Wagen. Es ist der vom Grafen. Wie sich heraus stellt ihr eigener Vater. Ihr Gesicht ist entstellt. Prof. Tattinger, ihr Vater, operiert sie glücklos, aber der unwiderstehliche Dr. Marco Avanti (ER) gibt ihr ein ‚zweites Gesicht‘. SIE ist nun eine Komtesse und schön, lebt auf Vaters Schloss, kann aber Dr. Avanti nicht vergessen. Eine weitere Schicksalsfügung führt SIE und IHN zufällig in Monte Carlo zusammen. SIE stürzt dort die Klippen hinab, ER ist zur Stelle. In seinen Armen findet SIE Vergessen und das Glück hat einen Namen. Amen. 


    Text:
    Wolfgang Benninghoven
    Mit:
    Andrea Gerhard, Rodolphe Bonnin, Wolfgang Benninghoven
    Musikalische Begleitung:
    Sven Breuel
    Kostüme:
    Katia Diegmann

    Pressestimmen


    Collage im Combinale: Götter in Rotweiß

    HL-live

    Groschenromane hatten vor Jahrzehnten Hochkonjunktur. Besonders beliebt waren Arztromane. Einige Titel hat sich Wolfgang Benninghoven für das Theater Combinale vorgenommen und Passagen daraus zu einer Collage zusammengebaut. "Das Glück hat einen Namen" heißt der "gelebte und gelesene Arztroman", der dem Publikum im ausverkauften Haus am Sonnabend ausgesprochenes Vergnügen bereitete.
    Wenn man sie nüchtern betrachtet, sie gewissermaßen seziert, sind es haarsträubende Geschichten. Geschichten, wie das Leben sie eben nicht schreibt. Aber sie fanden und finden offenbar ihr Publikum, weshalb das Theater Combinale in der Ankündigung von "Perlen der Trivialliteratur" spricht. Man verachte das Genre nicht. Manche Fernsehreihe hat Texte, die auch nicht nobelpreisverdächtig sind.
    Wolfgang Benninghoven hat einige Figuren herausgegriffen beziehungsweise verdichtet zusammengefügt. Schon Sven Breuel als Live-Musicus, der als Erster die Szene betritt, bringt seinen Mundschutz mit. Weiße Hose, hellrote Bluse tragen alle: der Musiker an der Heimorgel, das Ärzte-Duo mit Professor Tattinger und dem Wunderdoktor der plastischen Chirurgie namens Marco Avanti. Zwischen beiden Herren sitzt (wenn sie nicht gerade spielend auf der Szene gebraucht wird) eine junge "unbekannte Schöne".
    Das Schicksal der Schönen geht zu Herzen. Angemacht vom Arbeitsvermittler, verraten vom Freund, gefeuert von der Wirtin will die dermaßen gebeutelte Arbeitslose ihrem Leben ein Ende setzen. Der Wagen, vor den sie sich wirft, gehört dem berühmten Medizinprofessor Nikolaus Graf von Tattinger, der sie glücklos operiert, nebenbei aber herausbekommt, dass die junge Dame seine Tochter ist. Der Schönheits-Chirurg, der ihr schließlich ein zweites Gesicht verleiht, entpuppt sich als Lebensretter und seriöser Liebhaber, obwohl er aus Italien stammt.
    Wolfgang Benninghoven ist nicht nur für die Textauswahl verantwortlich. Er hat die Show auch einstudiert. Dabei wurde offenbar nicht jeder Satz, nicht jede Geste festgelegt. Es darf ein bisschen improvisiert werden, wodurch Situationen entstehen, die auch bei den Darstellern Heiterkeit erzeugen. Das Publikum genießt die Spitzen, die Anspielungen, die kleinen Gemeinheiten ohnehin. Benninghoven mischt jedenfalls augenzwinkernd und verständnisvoll die Sache auf, umschifft souverän alle Klippen, auch wenn die Hand mit dem goldenen Skalpell schon zittert.
    Die Rolle des Dr. Avanti und andere Figuren geben Rodolphe Bonnin ebenfalls ausreichend Gelegenheit, Heiteres und Boshaftes ins Spiel zu bringen. Andrea Gerhard setzt nicht nur Stimme und Figur ein, sondern besonders auffallend Mimik und Mienenspiel, schalkhaftes Lächeln, verzerrte Gesichtszüge, wenn die Götter in Rotweiß an ihr herumdoktern. Das Publikum kommt jedenfalls auf seine Kosten, wenn die Gefühle grell, übertrieben deutlich herausgestellt werden. Dass die Musik mehr ist als nur Untermalung, trägt zum Erfolg der heiter-ironischen Collage bei. 


    Placebo gegen schlechte Laune

    Ultimo

    Um es gleich vorweg zu nehmen, anspruchsvolle Inhalte sucht man an diesem Abend vergeblich. Hier wird höherer Blödsinn zelebriert. Allein der Cast des Stückes ist wunderbar daneben: Da ist zunächst die junge, schöne, aber glücklose Sabine Lohmann, die sich vor ein Auto wirft , weil sie vom Leben und den Menschen mies behandelt wird. Es gibt hochherzige Grafen, lüsterne und auch edelmütige junge Männer und garstige alte Frauen. Außerdem natürlich dunkle Geheimnisse, schicksalhafte Begegnungen und nach einigem Hin und Her ein Happy End wie aus dem Märchenbuch.
    Die Akteure Rodolphe Bonnin, Wolfgang Benninghoven und Andrea Gerhard zelebrieren das alles mit Hingabe und großem Spaß am Detail. Da wird nach Herzenslust operiert, intrigiert und sabotiert. Bonnin  spielt alle Stunts mit halsbrecherischem Einsatz, Andrea Gerhard beweist Mut zur Hässlichkeit, wenn sie sich mit Haargummis und –klemmen von den Kollegen verarzten lässt und Benninghoven hat das alles aus vielen Schundromanen liebevoll zusammen gestellt. Der Text wird gelesen und nach Lust und Laune variiert. Musiker Sven Breuel begleitet nach guter Helge- Schneider-Manier mit großer Geste an der Original Universum-Heimorgel.
    Wer mal wieder richtig Spaß haben will im Theater und womöglich sogar auch in der Medizinbranche tätig ist, sollte sich diesen gelebten, gelesenen und  lustvoll gespielten Arztroman nicht entgehen lassen. Ein wirkungsvolles Placebo gegen schlechte Laune und Sorgen aller Art!


    Ein Abend mit Goldrand

    Lübecker Nachrichten

    In einer Mischung aus Improvisation, Inszenierung und szenischer Lesung, musikalisch live ausgestaltet bietet das Ensemble eine hinreißend witzige Show, die es in dieser Form wohl nur im Combinale gibt.
    Mit Ironie und Witz erzählen die Darsteller die Geschichte...mit vollem Einsatz bespielen sie die kleine Bühne und müssen hin und wieder selbst über das Gelesene lachen.