Der Messias
Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte (mit gutem Ausgang und Gesang) von Patrick Barlow
Zwei Schauspieler versuchen, mit heiligem Ernst die Weihnachtsgeschichte zu spielen. Sie haben ein armes kleines Theater und sind auch nicht sehr professionell, aber sie wollen viel. Die mit ihnen befreundete Sängerin Olga Timm soll dabei noch etwas für Stimmung sorgen; mit Händels "Messias" und einigen Requisiten geht es los. Aber die Diva wurde beim Schwarzfahren im Bus erwischt und kommt zu spät. So fängt das Unternehmen schon mit Ärger an.
Außerdem verheddern sich die beiden Männer in allen möglichen beruflichen und privaten Streitigkeiten. Zum Beispiel: Wer soll die Maria spielen und wer den Engel. So bekommen wir die Weihnachtsgeschichte auf sehr skurrile Weise und in kleinen Stücken, aber mit großen turbulenten Unterbrechungen zu sehen. Denn es gilt, römische Gladiatorenkämpfe, einen Ehestreit zwischen Maria und Josef und schließlich gar die "Schlüsselszene", die Niederkunft Marias, zu bewältigen. (Ein Höhepunkt des Abends: Erstmals bringen zwei Männer auf einer deutschen Bühne ein Kind zur Welt.) Zwischendurch versöhnen sich beide immer wieder, singt Frau Timm wunderbare Lieder, und das ganze hat natürlich einen guten Ausgang.
Die Weihnachtskomödie von Patrick Barlow ist einfach Kult und steht seit 2001 immer wieder in wechselnder Besetzung auf unserem Spielplan - witzig, satirisch und unheilig.
Bühnenrechte beim Rowohlt Theaterverlag, Hamburg, Übersetzung: Volker Ludwig und Ulrike Hofmann
Pressestimmen
Drei Leute für ein Halleluja
Er ist wieder da: „Der Messias“ im Theater Combinale
Drei Leute für ein Halleluja
Er ist wieder da: „Der Messias“ im Theater CombinaleWat mutt, dat mutt. Zu Silvester gehört „Dinner for One“ und im Theater Combinale zur Adventszeit „Der Messias“. Seit 2001 steht die von Stephanie Kunz eingerichtete Weihnachtskomödie von Patrick Barlow hier immer mal wieder auf dem Spielplan, in diesem Jahr unter der Wiederaufnahmeregie von Knut Peters mit UlliHaussmann als Bernhard bzw. Maria, Sebastian Wirnitzer als Theo bzw. Josef und Lidwina Wurth als Sängerin Frau Timm. Was soll man sagen? Ein Fest der hellen Freude!
Das Premierenpublikum kennt sich aus. In Reihe 2, 6 und 7 zum Beispiel wird der Text mitgemurmelt, weiter hinten vorauseilend gelacht und auch vorne in der ersten Reihe weiß man offenbar, was als nächstes passieren wird. Spätestens jetzt merkt die „Messias“-Novizin, dass sie in eine Kult-Veranstaltung hineingeraten ist. Der Funke ist da schon längst übergesprungen, denn das Trio Haussmann, Wirnitzer, Wurth nimmt die Zuschauer mit auf eine wilde Reise durch Tiefen, Untiefen und durchaus auch seichtere Stellen des Humors. Spitzfindige Streifzüge durch den Kulturkanon sind dabei, Goethe trifft Asterix, und furchtlos wird auch Klamauk serviert. Es gibt also für jeden etwas, wie Weihnachten zu Hause eben.
Für die wenigen, denen die Geschichte fremd ist, eine kurze Einführung: In einem kleinen Theater wollen zwei Schauspieler, unterstützt von einer Sängerin, Händels „Messias“ aufführen. Die Requisiten in dem mutmaßlich am Rande seiner Existenz laborierenden Haus sind übersichtlich. Ein intakter Stuhl und einer, der zerfällt, ein Notenständer, ein mit (versagender) Glühbirne erhellter Stern über Bethlehem, eine Kiste auf Rollen als Esel, ein paar Kopfbedeckungen und – textiler Hauptdarsteller! – ein breiter roter Vorhang. Die beiden Schauspieler warten auf die Sängerin, die für festliche Stimmung sorgen soll. Und schon nimmt das theatrale Chaos seinen Lauf. Die Sängerin verspätet sich und auf der Bühne kann man sich nicht einigen, wer was mit welchen Texten spielt. Musik gibt’s auch, Halleluja. Händel, Bach und von der verhaltensoriginellen Sängerin eine„Carmen“-Einlage. Bei Bachs „Gloria in excelsis Deo“ ist das Publikum aufgefordert mitzusingen – und folgt, ohnehin alsStimmungs-Chorus längst eingebunden, willig. Höhepunkt ist die Geburt Jesu. „Erstmals bringen zwei Männer auf einer deutschen Bühne ein Kind zur Welt“, lockt das Stück vorweg.
Ja: Da wird tatsächlich die Weihnachtsgeschichte erzählt, irgendwie jedenfalls. Mit Römern, die dem Volk auf die Nerven gehen. Mit Josef, Maria und einer Schwangerschaft, die von einem einfältigen Bräutigam und einer von Hormonen überfluteten Teenie-Frau nicht zu fassen ist. Und ein armer Theaterbetrieb. Ein bisschen nimmt sich das Combinale dabei selbst auf die Schippe, allerdings mit listigem Augenzwinkern. Die – natürlich professionelle – Crew erlebt das anerkennende Echo aus dem Publikum unmittelbar: Zwischenapplaus, Heiterkeit, anfeuernde Pfiffe.
Es gibt viele Gründe, Weihnachten zu feiern. Es gibt auch viele Gründe, die Feiern zu meiden. Fest-Muffel sind im „Messias“ ebenso gut aufgehoben wie Fest-Enthusiasten. Gottes Sohn wird im Combinale noch bis zum 20. Dezem- ber geboren. Hingehen!
Karin Lubowski in Lübeckische Blätter 20/2025
Mit dem Engel auf ein Bier
„Der Messias“: Weihnachtssatire mit einer Reihe ungeklärter Fragen im Theater Combinale
Mit dem Engel auf ein Bier
„Der Messias“: Weihnachtssatire mit einer Reihe ungeklärter Fragen im Theater CombinaleEs gibt so einiges, was wir über die bekannteste Geschichte der westlichen Welt nicht wissen. Wie haben sich Maria und Josef kennengelernt? Hat Josef das mit der unbefleckten Empfängnis wirklich geglaubt? Und hat bei der Geburt von Jesus eine Hebamme geholfen?
Diese Fragen mit den Mitteln des Humors anzufassen und dabei trotzdem respektvoll mit religiösen Gefühlen umzugehen, ist ein schmaler Grat. Patrick Barlow hat das in seinem 1983 uraufgeführten Bühnenstück „Der Messias“ gewagt – und damit immer wieder das Theaterpublikum überzeugt.
Das Theater Combinale in der Lübecker Hüxstraße inszeniert das Stück mit dem Zusatz „Eine andere Weihnachtsgeschichte“ seit 2001 schon zum vierten Mal, zuletzt 2020. Da musste es wegen der Corona-Pandemie allerdings vor der Premiere wieder abgesetzt werden, erinnert Sigrid Dettlof aus dem Leitungsteam des Theaters.
Am Freitagabend feierte der Klassiker im ausverkauften Combinale erneut Premiere. Das Konzept: Zwei mäßig begabte Schauspieler (dargestellt von Ulli Haussmann und Sebastian Wirnitzer) wollen mit viel Herzblut, aber einfachen Mitteln die Weihnachtsgeschichte erzählen.
Sie spielen in Personalunion Josef und Maria, Engel und Gott, römische Gladiatoren, Herodes, die Weisen aus dem Morgenland und die plattdeutsch schnackenden Hirten. Dazu gibt es einen Erzähler und Pantomime, eine Rolle für das Publikum und immer wieder Streitereien über die Inszenierung und Sinnkrisen der Darsteller.
Mit einfachen Mitteln kreiert das Stück dabei köstliche Bilder, etwa, wenn ein Darsteller den Begriff „Einsamkeit in einem Hochhaus in Moisling“ in Esperanto-Zeichensprache darstellt, oder wenn der Erzengel Josef bei einer Pulle Bier verklickert, dass der Heilige Geist seine Freundin geschwängert hat.
Für musikalisches Niveau sorgt „Diva“ Olga Timm (Lidwina Wurth), die zu spät kommt, weil sie im Bus beim Schwarzfahren erwischt wurde. Mit viel Glitzer und ironischer Ernsthaftigkeit singt die Mezzosopranistin die Habanera-Arie aus „Carmen“ neben Weihnachtsliedern wie „Maria durch ein‘ Dornwald ging“.
Die altbekannte Weihnachtsgeschichte spannend und witzig zu erzählen, das funktioniert, weil sie rasant und punktgenau inszeniert ist. Dabei wechseln die Schauspieler innerhalb einer Situation teils mehrfach die Rolle, trotzdem ist immer klar, wer spricht - ein anspruchsvoller Stoff.
„Das war ziemlich albern, aber so hart an der Grenze, dass es mir gefallen hat”, sagt Hannah Lubowski, die als Laiendarstellerin im Theater der Gemeinnützigen schauspielert und „gerne mitgemacht hätte“. Brigitte Eggers ist mit vier Freundinnen aus Kiel zur Premiere angereist. Sie mochte das Stück sehr, „das Thema wurde witzig und mit viel Herzblut durch den Kakao gezogen“, sagt sie. Zwei ihrer Freundinnen waren nicht so überzeugt. „Man muss einen bestimmten Humor haben, um sich darauf einzulassen. Und ich bin ein gläubiger Mensch.“
Darsteller Ulli Haussmann ist nicht gläubig. „Aber das Bedürfnis nach etwas Transzendentalem - also dass das, was wir tagtäglich sehen, nicht alles ist - das habe ich auch“, sagt er. „Deshalb haben wir diese Geschichte, die wahrscheinlich nicht so und vielleicht auch gar nicht passiert ist. Aber wir brauchen sie, und das Stück geht ja sehr liebevoll mit ihr um“.
„Der Messias“ wird im Theater Combinale heute erneut gespielt sowie täglich vom 3. bis 6., 10. bis 14. und 17. bis 20. Dezember.
Friederike Grabitz in den Lübecker Nachrichten vom 30.11.2025




















