• Macbeth (2G-Vorstellung)
  • Macbeth (2G-Vorstellung)

    Ein Crossover-Hexenritt für Schauspiel, Tanz und Livemusik

    Königsmord ist Männersache, nicht nur in Shakespeares Dramen. Darum ist in diesem Stück natürlich Macbeth die ausführende Kraft der Schreckenstat, er ist es, der den Dolch führt und der am Ende die bitteren Konsequenzen zu tragen hat. 
    Die Fäden ziehen allerdings die Frauen des Dramas. Drei schaurige Hexen im schottischen Hochmoor bringen Macbeth mit ihrer Prophezeiung „…und auch König bist du bald!“ auf die mörderische Spur. 
    Doch die gefährlichste Waffe in diesem Spiel ist Lady Macbeth: äußerst attraktiv, ehrgeizig, von messerscharfem Verstand, kalt wie die Klinge eines Dolches. Zu warten, bis das Schicksal ihren Gatten irgendwann zu krönen gedenkt, ist ihre Sache nicht. So treibt sie ihn an, den verhängnisvollen Mord schon in der nächsten Nacht zu begehen. Aber Macbeth zaudert. Zwar ist er ohne Ehrgeiz nicht, doch fehlt die Bosheit ihm, die dazu nötig wäre. Mit allen Mitteln drängt sie ihn und am Ende hat er ihren Argumenten nichts entgegenzusetzen. 
    Die Prophezeiungen der Hexen haben allerdings ihre Tücken und so währt der Lady Glück als Königsgattin nicht lang.
    Es braucht einen Schauspieler, drei Tänzerinnen und drei Musiker*innen, um diesen Shakespeare auf die Combinale-Bühne zu bringen. Der Text ist radikal reduziert, die zentralen Szenen und Figuren werden fulminant ertanzt und die Livemusik spielt in der Inszenierung eine wesentliche Rolle. So nimmt die blutige Geschichte ihren Lauf…


    Textbearbeitung:
    Ulli Haussmann
    Inszenierung und Choreographie:
    Shiao Ing Oei
    Musik:
    Triologue mit Ninon Gloger, Olaf Koep, Johannes Huth
    Tanz:
    Ulla Benninghoven, Anna Fingerhuth, Kim Tassia Kreipe
    Schauspiel:
    Ulli Haussmann
    Ausstattung:
    Stephanie Viola Dalski
    Licht- und Tontechnik:
    Tobias Pupp
    Video:
    Migo Eichholz
    Bühnenbau:
    Stefan Teichmann

    Pressestimmen

    Mord ist Männersache - wirklich?

    „Macbeth" feiert als wilder Tanz mit dem Schicksal eine begeistert aufgenommene Premiere am Theater Combinale

    Lübecker Nachrichten
    Sabine Spatzek, 02. Nov. 2021


    Lübeck. Livemusik, Schauspiel, Tanz, Video, Bühnenbild, Kostüme: Alles zusammen ergibt am Theater Combinale in der Hüxstraße einen aufregend andersartigen „Macbeth", den das Premierenpublikum mit großer Begeisterung feierte. Eine der schönsten Szenen: Nach mehreren Morden hat das Ehepaar Macbeth sein Karriereziel erreicht und jubelt „Wir sind König!" Ausge­lassen werfen die Tänzerinnen Kirn Tassia Kreipe und Anna Fingerhuth einander die goldglitzernde Krone zu wie eine Frisbeescheibe. Doch die Freude währt nur kurz, denn Verbrechen lohnt sich nicht. Zumindest nicht in Shakespeares Tragödie über Aufstieg und Fall des Tyrannen, den drei Hexen mit einer Prophezeiung auf komische Gedanken brin­gen und eine ehrgeizige, verführerische Gattin zu bösen Taten drängt.
    Rot wie Blut spritzt es immer wieder auf im Video, das in die Halbkuppel in der hinteren Bühnenwand projiziert wird, wo je nach Szenerie auch die Gemäuer einer Burg oder ein kahler, durchaus schottisch anmutender Wald aufscheinen. Die Videos (Shiao Ing Oei und Migo Eichholz) ergänzen das zurückhaltende, aus Holzlatten multifunktional gestaltete Bühnenbild (Ausstattung: von Stephanie Viola Dal I Bühnenbau:Stefan Teichmann).
    Ulli Haussmann steht als einziger Schauspieler auf der Bühne und gibt sämtlichen Figuren eine Stimme. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die drei Tänzerinnen, Anna Fingerhuth (Hexe und Macbeth) ,Kirn Tassia Kreipe (Hexe und Lady Macbeth) und Ulla Benninghoven (Hexe und axtbewehrter, ganz in Weiß gekleideter Tod) die wichtigsten Rollen mit übernehmen und vor allem, weil diese von Haussmann selbst geschriebene Fassung des Dramas mit einem Bruchteil der originalen Textmenge auskommt. Wobei Shakespeare stellenweise Platz macht für einen anderen Klassiker: Goethes „Hexen-Einmaleins" oder Zeilen aus dem „Erlkönig" fügen sich so geschmeidig ein, als würden sie genau hierhin gehören.
    Regisseurin und Choreographin dieses Abends ist Shiao Ing Oei, der es großartig gelingt, die unterschiedlichen Ausdrucksformen gleichberechtigt zusammenzubringen. Auch der Musik kommt eine Hauptrolle zu, die drei Musiker von Triologue (Ninon Gloger, Olaf Koep, Johannes Huth) nehmen prominente Plätze mitten auf der Bühne ein. Sie begleiten das Geschehen nicht einfach, sie gestalten es mit und muten dem Publikum dabei streckenweise einiges zu. Der Sound ist eindringlich, manchmal fast schmerzhaft intensiv. Dumpfes Dröhnen,scharfes Fauchen, schrille Glockentöne und nach 70 Minuten - ein Lied. Noch so eine Überraschung,von der dieser „Macbeth" manche zu bieten hat.