State of the Union
Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst
Eine Ehe in zehn Sitzungen - von Nick Hornby
Louise ist fremdgegangen und Tom ist ausgezogen. Aber immerhin haben sie zwei Kinder miteinander und wollen ihre Ehe nicht kampflos aufgeben. Jede Woche gehen sie zur Paartherapeutin, jede Woche treffen sie sich vorher in einem Pub. Bei einem Getränk zur Nervenstärkung stimmen sie sich auf die Sitzungen ein, diskutieren Rückschritte, Fortschritte und spekulieren über die anderen Gäste. So einiges an Konflikten wurde in den letzten Jahren unter den Teppich gekehrt und wird erst jetzt wieder hervorgekramt – wenig spektakuläre Verfehlungen, dafür einiges, was jedem, der schon mal in einer Beziehung war, bekannt vorkommen dürfte. Mal hat der eine Oberwasser, mal die andere, und die Gelegenheit für eine gute Pointe lässt sich keiner von beiden entgehen.
Mit seinem unvergleichlichen Humor und dem Blick für sympathische Antihelden zeigt uns Nick Hornby ein ganz normales Ehepaar und die komischen Seiten einer Ehekrise.
Die Dramatisierungsrechte an dem Roman vertritt der Rowohlt Theater Verlag. "Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst. Eine Ehe in zehn Sitzungen" von Nick Hornby, übersetzt von Ingo Herzke ist bei Kiepenheuer & Witsch, Köln erschienen.
#Schauspiel
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Pressestimmen
Ehe auf der Abbruchkante
Ehe auf der Abbruchkante
Sabine Spatzek in den Lübecker
Nachrichten vom 26.9.2026
Mit einem Stück von Nick Hornby startet das Lübecker Theater Combinale in die Spielzeit. In einer Paarberatung kommt alles zur Sprache – vom brachliegenden Sexleben bis zum Brexit.
Was ist wichtig für eine lange, glückliche Ehe? Wenn es der Humor ist, dann haben Tom und Louise die allerbesten Chancen. Wenn es um den Sex geht, schon weniger. Das Theater Combinale hat mit „State of the Union“ von Nick Hornby eine „Ehe in zehn Sitzungen“ auf die Bühne gebracht. Ein kleiner Geniestreich. Selten war es so unterhaltsam, einem Paar bei der Bearbeitung seiner Beziehungsprobleme zuzusehen. Das Premierenpublikum war begeistert und feierte Schauspieler und Inszenierung.
Auf der Bühne ist eine Bar aufgebaut. Tische und Tresen bestehen aus von innen beleuchteten Getränkekisten, was zusammen mit den blütenblätterartigen Mustern an den Wänden ein ziemlich stylisches Ambiente ergibt. Ein Teil des Publikums sitzt am Bühnenrand an Tischen und wirkt als stumme Komparserie im Stück mit. Genauso wie der Bühnentechniker, dessen Arbeitsplatz hinter den Tresen verlegt wurde. Dort agiert er nun zusätzlich als Barkeeper, der Tom und Louise, gespielt von Sebastian Wirnitzer und Rebecca Indermaur, mit Getränken versorgt.
Die Bar ist ihr Treffpunkt, bevor sie ins Haus gegenüber zu ihrem wöchentlichen Termin bei der Eheberatung gehen. Warum brauchen die Mittvierziger – sie erfolgreiche Medizinerin, er arbeitsloser Musikjournalist – eine Eheberatung? Tom formuliert es so: „Du hast mit jemand anderem geschlafen, und jetzt sind wir hier.“ Louise findet das zu einfach: „Aber es steckt doch ein bisschen mehr dahinter, oder? Ehen sterben nie plötzlich. Sie sind immer schon eine ganze Weile krank gewesen, bevor sie den Löffel abgeben.“ Wie sich bald herausstellt, lag das eheliche Sexleben schon eine Weile vor dem Seitensprung brach.
Das klingt problembeladen. Doch der Autor Nick Hornby (bekannt für Romane wie „Fever Pitch“, „High Fidelity“ oder „About a Boy“, die alle verfilmt wurden) gilt nicht umsonst als Meister des britischen Humors, der originellen Figuren und der klug konstruierten Dialoge. „State of the Union“ (deutscher Titel: „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“) ist denn auch alles andere als ein trauriges Ehedrama.
Die Wortgefechte, die sich Louise und Tom bei diesen zehn Treffen in der Bar liefern, sind urkomisch, auch weil sie manchmal weit vom eigentlichen Beziehungsthema abschweifen („Du hast für den verfickten Scheiß-Brexit gestimmt!“) und dann wieder in lakonischer Schlichtheit mitten ins Schwarze jeder Beziehungskrise treffen („Jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich sagen soll.“ „Sag einfach das Richtige, dann musst du dir keine Sorgen machen.“). Dazwischen liegen immer wieder irrwitzige Vergleiche („Unsere sexuelle Beziehung ist Usain Bolt mit Leistenzerrung“).
Rebecca Indermaur und Sebastian Wirnitzer bewältigen diese schlagfertigen Dialoge glänzend. Unter der Regie von Knut Peters agieren beide eher zurückhaltend, sodass ein Gefühlsausbruch von Louise umso mehr Eindruck macht („Verdammt … Kämpf einfach!“). Dabei schubst sie Tom, der fällt und zum nächsten Treffen mit einem Gipsarm kommt – der sich aber als Fake herausstellt.
Gut eingesetzt sind die Videos (Katharina Spuida-Jabbouti), die Louise und Tom auf dem kurzen Weg von der Bar bis vor die Tür der Eheberatung (die sich in der Nähe des Hansemuseums lokalisieren lässt) begleiten. Die Kamera setzt immer exakt in dem Moment ein, wenn die Schauspieler die Bühne verlassen haben (und gibt ihnen nebenbei die Zeit, sich backstage für das nächste Treffen umzuziehen; Kostüme: Stephanie Viola Dalski). Außerdem zeigen sie den Blick aus dem Fenster der Bar auf zwei andere Paare, die die gleiche Eheberatung aufsuchen und von Tom und Louise interessiert beobachtet werden.
Gibt es für die beiden eine Chance, ihre Ehe zu retten? „Wir leben auf einer Abbruchkante, und das Haus kann jeden Augenblick einstürzen“, resümiert Louise. Aber die Liebe hat bekanntlich gewaltige Kräfte.










