Über Leben
Es ist 5 vor 33
In Deutschland und der ganzen Welt gerät die Demokratie zunehmend unter Druck. Sigrid Dettlof und L.-Christian Glockzin haben gemeinsam mit Uwe Schwarz, der auch Regie führen wird, einen Theaterabend erarbeitet, der mit politischer Schönheit und hoffnungsvoller Verzweiflung die Situation der Welt betrachtet und mit den Mitteln des Theaters Mut zum Überleben machen möchte — mit Humor, guten Texten und Musik.
Dabei haben sie sich wie schon 2002 in der Produktion »Fahrt ohne Schlaf« von der Pfeffermühle Erika und Klaus Manns inspirieren lassen und waren wiederum überwältigt von den erschreckenden historischen Parallelen zwischen 1930 und der Jetzt-Zeit. Ihr Fazit: Es ist fünf vor 33.
»Von allem, was ich je getan habe, erinnere ich mich am liebsten an die Pfeffermühle.« sagte Erika Mann in einem Interview Anfang der 1960er. Die Pfeffermühle war ein literarisches Kabarett, das sie gründete, um als Künstlerin den Kampf gegen den Nationalsozialismus aufzunehmen. »Wir versuchen, in der leichten Form, die wir uns gewählt haben, die schweren Dinge zu sagen, die heute gesagt werden müssen... und wir hätten allen Grund, uns zu schämen, würden wir jemals damit aufhören.« So beschrieb sie ihren künstlerischen Anspruch und ihre persönliche Haltung.
Erika Mann sang, schrieb, agierte, organisierte und inspirierte. Unterstützt wurde sie bei ihrem Unternehmen vor allem von Therese Giehse und ihrem Bruder Klaus. Mit Hilfe von erhaltenen Pfeffermühlen- und eigenen Texten von Uwe Schwarz zeichnen wir ein Bild ihrer künstlerisch-politischen Reise durch die Jahre von 1932-1945 und versuchen so unserer eigenen Ratlosigkeit ob der aktuellen politischen Entwicklungen mit Zuversicht und Hoffnung zu begegnen,denn: Fatalismus ist keine Option.
Wir stellen uns vor, was Erika Mann zu den aktuellen politischen Entwicklungen gesagt hätte und beziehen unsererseits Stellung, denn auch wir glauben, »dass jede künstlerische Arbeit, innere Haltung und Gesinnung haben muss, dass es wertlos wäre, ein Liedchen zu schreiben, wo nichts dahinter stünde, keine Meinung, kein Glaube, keine Hoffnung.« (Erika Mann 1934)
Hier noch ein Beitrag vom NDR: Das Schleswig Holstein Magazin berichtete.
#Schauspiel
Pressestimmen
Ist es „5 vor 33“?
„Über Leben“ im Theater Combinale
Ist es „5 vor 33“?
„Über Leben“ im Theater Combinale„Wenn ich, Erika Mann, geboren am 9. November 1905 in München, gestorben am 27. August 1969 in Zürich, Lieblingstochter von Thomas Mann, dem Zauberer, und Lieblingsschwester von Klaus Mann, dem Zauderer, wenn ich heute – von weit oben, weit entfernt – einen Blick auf unser Land werfe, dann frage ich mich, ob sich Geschichte wiederholen kann, ob die Menschheit gelernt hat aus ihr…“
So ist es im Stück „Über Leben“ zu hören, das Sigrid Dettlof (als Erika Mann und in anderen Rollen) und L.- Christian Glockzin (als Klaus Mann und in anderen Rollen) unter der Regie von Uwe Schwarz im Theater Combinale auf die Bühne bringen.
Und gleich vorweg sei gesagt: Handwerklich und inhaltlich gehört „Über Leben“ mit seiner Kombination aus erhaltenen Texten und Liedern der „Pfeffermühle“ sowie eigenen Beiträgen, mit seiner raschen aber nie hektischen Abfolge von 30 Nummern unter die Top Ten der sehenswerten Lübecker Bühnenproduktionen dieser Saison. Auch ist es erfrischend, dass in der Stadt des literarischen Übervaters Thomas zwei seiner schwer begabten Kinder aus dessen langen Schatten treten. Erika und Klaus Mann hatten 1933 zusammen mit Therese Giehse und Magnus Henning in München „Die Pfeffermühle“ eröffnet, ein literarisches Kabarett, das angetreten war, den Kampf gegen den Nationalsozialismus aufzunehmen.
Und doch bleibt bei allem Genuss ein Stein auf der Seele liegen – vielleicht gerade wegen des Genusses, den der Abend bereitet. „Es ist 5 vor 33“, hat das Combinale dieses Stück übertitelt, mit dem es durch die Jahre 1932 bis 1945 reist und zugleich die politische Jetzt-Zeit unter die Lupe nimmt.
Deren Realitäten sind kabarettistisch kaum noch zu fassen, denn „was wir heute auf der realpolitischen Ebene an Satire erleben, lässt sich mit den Mitteln des Theaters nicht mehr toppen“, heißt es da mit Verweis natürlich auf die USA und ihren Präsidenten und auch auf ein „gewähltes Mitglied des heutigen Bundestages“, das behauptet, Adolf Hitler sei ein Sozialist gewesen. Die Namen Trump und Weidel fallen nicht, müssen sie auch nicht; Impertinenz ist auch All-umfassend.
„Fatalismus ist keine Option.“ So hat es sich das Theaterteam mit diesem Stück vorgenommen. Tatsächlich ist die Sache bedrückend fatal. Ja, Erika und Klaus Mann hatten den Nazis mit ihrer „Pfeffermühle“ den Kampf angesagt – und mussten noch im gleichen Jahr in die Schweiz ausweichen. So sehr die Kunst auch gegen das Regime ansang und andichtete: Zu Fall kam es im Bombenhagel der Alliierten.
Was also kann Kunst bewirken? Sie hätten allen Grund sich zu schämen, würden sie jemals aufhören zu sagen, was gesagt werden muss, wird Erika Mann zitiert. Das Combinale-Team stimmt ihr zu und das Publikum bestätigt die Haltung mit entschiedenem Applaus.
Ist es 5 vor 33? Auf alle Fälle ist es 5 vor Machtlosigkeit.
Karin Lubowski in Lübeckische Blätter 2026/6
Über Leben
Empfehlenswert!
Über Leben
Empfehlenswert!Politisch und gesellschaftskritisch, aber auch humorvoll geht es zu, wenn Sigrid Dettlof und L.-Christian Glockzin in "Über Leben" als Erika und Klaus Mann hin- und herreisen zwischen der NS-Zeit und der Gegenwart und dabei auch den Blick über Deutschland hinaus wagen.
Unter der Regie von Uwe Schwarz verwandeln sie Auschnitte aus dem Schaffen und Wirken der beiden Künstler*innen in lebhafte, musikalisch wie sprachlich ausgefeilte theatrale Episoden. Dabei lassen sie sich leiten von einschneidenden Lebensentscheidungen der beiden Figuren und historisch wirkmächtigen Momenten und Entwicklungen. Zentral sind Grenzüberschreitungen (im geographischen wie emotionalen Sinne), das Gefühl von Heimat und Fremde und wenn schon nicht die Bewältigung von, so doch der Umgang mit Krisen. Und nicht zuletzt die Kunst und was sie in aufwühlenden Zeiten sowohl für die Künstler*innen selbst als auch für die Menschen generell bedeutet und zu leisten vermag.
Eine Stückentwicklung, in der das Publikum die Geschwister Erika und Klaus Mann erlebt, wie sie auf unser Heute schauen und ihr Damals reflektieren und auf diesem Wege angeregt wird, es ihnen gleich zu tun. Empfehlenswert!
Daniela Schindler in Ultimo 04/2026
„Über Leben“ auch in heutigen Tagen
Die Geschwister Mann im Theater Combinale
„Über Leben“ auch in heutigen Tagen
Die Geschwister Mann im Theater CombinaleIn leichter Form über schwere Dinge sprechen: So machen es im Lübecker Theater Combinale die Kinder des berühmten Schriftstellers Thomas Mann. Und stellen dabei letztlich auch die Frage, welche künstlerischen Mittel heute noch taugen in den aktuellen Wirren.
Was würden Erika Mann und ihr Bruder Klaus heute in ihrem Kabarett „Pfeffermühle“ auf die Bühne bringen? Vieles von dem, was sie schon vor mehr als 90 Jahren gespielt haben. Das belegt eindrucksvoll die neue Produktion im Lübecker Theater Combinale „Über Leben – Es ist 5 vor 33“. In einer gelungenen Kombination aus Ernsthaftigkeit, Humor, Texten und Musik fragt dieser Abend danach, ob wir eigentlich aus unserer Geschichte gelernt haben.
Sigrid Dettlof und L.-Christian Glockzin verkörpern auf der Combinale-Bühne die „Mann-Twins“, die ältesten Kinder von Thomas Mann, die lange vor ihrem berühmten Schriftstellervater als entschiedene Gegner der Nationalsozialisten auftraten. Doch sie springen auch immer wieder in die Gegenwart, wozu viele Passagen aus dem original „Pfeffermühle“-Repertoire ihnen eine Steilvorlage liefern.
Gewitzte Anspielungen auf Trump und Co.
So heißt es gleich im ersten Lied „Der Prinz von Lügenland“: „Bei uns ist‘s hübsch, wir haben‘s gut. Wir dürfen unsre Feinde morden. Verleih‘n uns selbst die höchsten Orden. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, Wer immer lügt, dem wird man glauben.“
Wer denkt da nicht sofort an einen aktuell amtierenden Präsidenten, wenn auch an diesem Abend an keiner Stelle namentlich erwähnt? Wie auch sonst kaum etwas direkt ausgesprochen, sondern in vielen gewitzten Anspielungen transportiert wird.
Dettlof und Glockzin sind auf der Bühne ein hervorragend eingespieltes Team. Ihnen ist anzumerken, dass das gemeinsam mit Regisseur Uwe Schwarz entwickelte Stück ihnen ein Herzensanliegen ist.
Der Abend sei der Versuch, „unserer eigenen Ratlosigkeit ob der aktuellen politischen Entwicklungen mit Zuversicht und Hoffnung zu begegnen, denn: Fatalismus ist keine Option“, sagen sie über die eigene Arbeit.
Kann Theater die Realität überhaupt noch toppen?
„Über Leben“ ist auch eine Selbstbefragung dazu, welche künstlerischen Mittel heute noch als Beitrag zum politisch-gesellschaftlichen Diskurs tauglich sind. Satire? Die war womöglich in den 1930er-Jahren probat.
Doch heute scheint die Realität durch das Theater oft nicht mehr zu toppen, angesichts von Politikern, die Hitler als Sozialisten bezeichnen oder die innerliche Anwendung von Desinfektionsmitteln für wirksam gegen Corona halten. Also was tun? „Wir spielen dagegen an“, ermuntert Erika ihren Bruder. Denn, Zitat Erika Mann: „Wir hätten allen Grund, uns zu schämen, würden wir jemals damit aufhören.“
Sabine Spatzek in den Lübecker Nachrichten vom 07.03.2026
Schleswig-Holstein Magazin
"Über Leben" am Theater Combinale in Lübeck
Schleswig-Holstein Magazin
"Über Leben" am Theater Combinale in LübeckDas Schleswig-Holstein Magazin berichtete am 6.3.2026 von unserem neuen Stück ÜBER LEBEN.






