Über uns

Seit 1982 machen wir professionelles, freies Theater.

WER?

Wir, Sigrid Dettlof, Wolfgang Benninghoven (geb. Bruns) und Ulli Haussmann , sind in Personalunion das "combinale"; d.h. wir sind gleichberechtigte Theater-Leiter, Schauspieler, Autoren, PR-Manager, Dramaturgen, Handwerker, Regisseure u.v.a.m. in einer (pardon 3) Person(en).


WO?

Seit 1990 sind wir in der Hüxstr. 115, mitten in der Lübecker Altstadt zu finden. Das Theatergebäude liegt in einem malerischen Hinterhof und wurde um 1900 als Freikirche gebaut. Der Theaterraum mit 116 Sitzplätzen ist mit modernster Technik und allem Komfort ausgestattet.



WAS?

Wir machen 'Theater der Nähe', d.h. Theater nah am Zuschauer (im doppelten Sinn), nah an der (unserer) Zeit, nah am Leben(sgefühl) und hautnah an uns. Die Stücke, die wir spielen und meistenteils selber schreiben, handeln von uns und unserer Welt, also vom ganz normalen Wahnsinn (auch 'condition humaine' genannt), sie handeln von Menschen am falschen Ort im richtigen Leben, die nach Lösungen suchen und nur Fragen ernten. Das ist absurd, komisch und tragisch und ist alles auf einmal.



KURZFASSUNG EINES ARTIKELS VON RUDOLF HöPPNER AUS „DER WAGEN-EIN LÜBECKER JAHRBUCH” 2006

COMBINALE | THTR – so heißt es auf einem Schild über dem Eingang in der Hüxstraße Nr 115 . Es weist hin auf das Theater im Hinterhaus . Der Name Combinale entstand, als sich zwei kleine Theatergruppen zu einer neuen  kombinierten”. Das geschah am Anfang der 80er Jahre. In einer Halle auf einem Hof in der Lachswehr Allee hatte sich das „Taktlos Theater” eine kleine Bühne eingerichtet . Zwei Frauen spielten dort Stücke, die sie selbst geschrieben hatten. Andere freie Bühnen waren zu Gast, so auch die Gruppe „Top of the Flop”, zwei Männer aus Berlin. Das waren Wolfgang Benninghoven und Ulli Hausmann , die sich dann mit Sigrid Dettlof vom „Taktlos Theater” zum Combinale Theater zusammenschlossen und danach in die Hüxstraße umzogen, das Hinterhaus mieteten und mit Initiative und überwiegend eigener Arbeit Bühne und Zuschauerraum einrichteten. Die erste gemeinsame Produktion, „Das Mietshaus” wurde ein spontaner Erfolg, und die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich in den folgenden Jahren. Anerkennung und Ermutigung brachte 1996 die Spende der Possehl- Stiftung für eine gründliche Renovierung des Hauses, die statt der provisorischen Stühle für passende Sitze im Zuschauerraum sorgte. Gastspiele, Werkstattarbeit, Improvisationstheater – die Ausweitung der Tätigkeiten des Combinale Ensembles und ihrer Gäste machten in den folgenden Jahren einen Ausbau notwendig. Und so war es 2005 wieder die Possehl – Stiftung , die – zusammen mit einem Beitrag der Stiftung Sparkasse zu Lübeck – es ermöglichte , durch einen Vorbau das bis dahin kleine Foyer zu einer Studiobühne zu erweitern und einzurichten. Damit ergeben sich für die kommende Zeit nicht nur verbesserte Arbeitsbedingungen für das Combinale Theater , sondern zugleich Möglichkeiten für eine Ausweitung der bisherigen Tätigkeiten, einschließlich der Arbeit von Arbeitsgruppen und Bühnen, die als Gäste dort wirken und spielen können.Katreen Hardt und Knut Friedrich sind ständige Gäste im Combinale, L. Christian Glockzin ist Spieler und Regisseur. Zusätzlich ergänzen Nachwuchsspieler, meist aus Hamburg, die jeweilige Besetzung, und manch junge Akteurinnen und Akteure hatten im Combinale ihr erstesEngagement. Für die Inszenierungen werden sehr Gastregisseure eingeladen , in den letzten Jahren war es sehr häufig Stephanie Kunz.

Freie Bühne bedeutet äußerliche Unabhängigkeit von einer übergeordneten Institution wie es z.B. städtische Theater sind , die gegenüber ihrem Träger zu fest geplanten, regelmäßigen Veranstaltungen in oft unterschiedlichen Sparten verpflichtet sind, die einen festen und terminlich zuverlässigen Grundstock des kulturellen Lebens innerhalb einer Kommune darstellen müssen. Privates Theater bedeutet aber auch Risiko in der finanziellen Absicherung des Betriebes, da es keine feste Vorausberechnungen geben kann. Ein Theater durch den Verkauf von Eintrittskarten völlig zu finanzieren , ist kaum möglich, es sei denn, man richtet sich in der künstlerischen Konzeption nach dem, was im Fernsehen durch die „Einschaltquote” bestimmt wird, wenn die Quantität des Umsatzes den künstlerischen Anspruch überwuchert. Das Combinale Theater erwirtschaftet durch seine Einnahmen deutlich über 50% seines finanziellen Bedarfs und erhält Unterstützung durch das Land und die Stadt . Diese Zuwendungen werden leider jährlich gekürzt. Die wirtschaftliche Notlage der „öffentlichen Hand” verspricht keine Sicherheiten für die kommenden Jahre. Eine deutliche Erhöhung der Eintrittspreise wäre ein Risiko, weil es für manche Besucher zu teuer werden könnte, weiterhin die Aufführungen in der Hüxstraße zu besuchen. Die Erhöhung der Attraktivität ihres Theaters und dadurch die Steigerung der Zuschauerzahlen ist die gute Antwort des Combinale Theaters . So hat es das Ensemble geschafft, konstant gutes und künstlerisch anspruchsvolles Theater zu bieten, dabei sich ihre Unabhängigkeit und individuelle künstlerische Freiheit zu erhalten, und gleichzeitig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein in der Umsetzung der Stücke.

Das kleine Haus in der Hüxstraße mit seinen knapp 100 Sitzplätzen, einer studioartig kleinen Bühne erlaubt kein Großes Schauspiel, genau so wenig wie das kleine Ensemble mit seinen Gästen und Helfern. Das entspricht der Absicht des Combinale teams. Es gibt nur kleine Besetzungen, oft mit zwei Personen, auch Solostücke. Die dramaturgische Grundkonzeption enthält charakteristische Merkmale des epischen Theaters , wie es sich – unabhängig von der politischen Ausrichtung – seit Brechts „Kleines Organon für das Theater” weitgehend durchgesetzt hat als Alternative zum llusionstheater, der scheinbaren Realität der Handlung , wie sie für Boulevardstücke und Volkskomödien kennzeichnend ist. Die Zuschauer haben einen engen Kontakt zum Geschehen auf der Bühne. Eigentlich beginnt das Theater schon vor der Vorstellung – man wartet gemeinsam im Foyer, der Zuschauerraum wird erst wenige Minuten vor Beginn geöffnet. Das ist Absicht, und auch wenn Ulli Haussmann seine „Geschichten am Meer” in Travemünde am Strand vorträgt, holt er vorher die an der Promenade wartenden Zuschauer ab und führt sie an die Spielstätte. Es gibt keinen Vorhang, oftmals werden die Zuschauer einbezogen in die Vorbereitungen auf der Bühne, bevor das eigentliche Spiel beginnt oder die Schauspieler sich schon sichtbar auf der Szene befinden, bevor das Spektakulum losgeht. Die Produktionen des Combinale Theaters zeigen in Form und Inhalt eine große Bandbreite. In den ersten Jahre der beiden Gruppen „Taktlos Theater „ und „Top of the Flops” , aus denen sich dann das Combinale bildete, waren die Stücke immer Eigenproduktionen. Auch von anderen Autoren dramaturgisch aufbereitete Prosatexte wurden aufgenommen .In diesen Zusammenhang gehören natürlich auch die mit anderer Absicht veränderten literarischen Vorlagen: Parodien , ein bevorzugtes Sujet des Combinale Ensembles , und zwar in vielen Varianten. Das Theaterspielen selbst als Gegenstand einer parodistischen oder satirischen Produktion, das Theater im Theater, das Verschieben des Entertainment auf eine Meta-Ebene gibt es in fast regelmäßigen Abständen im Combinale. Unter den Stückeschreibern , deren Werke das Combinale team spielt, überwiegen Autoren aus den USA und England: Ira Levin, Alan Bennett ,Patrik Barlow, Jeff Goode, Tim Firth, Michele Lowe, Kathrin Kressmann Taylor, James Saunders und Albert R. Gurney. Die Theater, für die sie schreiben, liegen in London außerhalb des etablierten Westend mit seinen großen Bühnen ,und in New York gehören sie zum off -Broadway. Das hängt sicher zusammen mit den inhaltlichen Schwerpunkten der zumindest ursprünglich außerhalb des kulturellen Establishments angesiedelten Bühnen. Und es ist zugleich ein Charakteristikum für das Combinale Theater. Die äußere Form vieler Produktionen und die dramaturgische Konzeption ihrer Umsetzung stehen in engem Kontext zu ihren Inhalten. Politisches Theater etwa in der Art der ideologisch bestimmten frühen Lehrstücke von Bert Brecht findet nicht statt in der Hüxstraße, würde auch nicht mehr in die Zeit passen. Gesellschaftskritik dagegen ist durchaus ein Charakteristikum, jedoch nicht auf eine bestimmte Richtung fixiert und auch nicht als politische Attacke auf ein äußerliches System zu verstehen. Positiv, und ein wenig vereinfacht lässt sich sagen, dass in fast allen Stücken soziale Probleme im Mittelpunkt stehen, der Einzelmensch in seinen Beziehungen zu Partnern und seinem Umfeld. Und das gilt definitiv auch für die Spiele mit dem Untertitel „Komödie”. viele der im Combinale Theater gespielten Stücke dienen. Die Darstellung menschlicher Probleme auf der Bühne sind sehr wirksam, wenn es um fassbare Einzelschicksale geht. Da sind im Kontext der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse Frauen besonders betroffen, gibt es entsprechende Theaterstücke, die oft und bewusst im Combinale Theater gespielt. Die breite Streuung der unterschiedlichen und weit gefächerten inhaltlichen Schwerpunkte ist das eine Kennzeichen des Combinale Theaters, das andere ist die Variation der dramatischen Formen, wobei sich zwischen Komödie und ernsten Stücken oftmals nicht unterscheiden lässt ernsthafter Form, wie sie in.. Ernsthaftes Theaterspiel kann durchaus komisch sein, das zeigt das Combinale besonders in grotesken und absurden Stücken, und wenn das Ensemble in den Bereich des slapstick geht, dann eben mit spielerischer Artistik, über die es genau so verfügt, wie über wirkungsvolle Wandlungsfähigkeit, wenn es zum Beispiel darum geht, in einem Stück mehrere Personen darzustellen. Sigrid Dettlof und ihre beiden Kollegen spielen nun seit Jahrzehnten in ihrem kleinen Theater, in wechselnden Besetzungen, mit Gästen und auch in Solostücken. Da hat sich bei den Erfolgen auch eine „Fan-Gemeinde” gebildet. Aber trotzdem ist das Ensemble von einem „Startheater” weit entfernt, wie es Tournee-Theater oft anbieten, bei denen „Promi-Darsteller” immer nur sich selbst spielen, unabhängig von den unterschiedlichen Rollen. Das Stammpublikum des Combinale weiß um die Wandlungsfähigkeit der Ensemblemitglieder, die Vielseitigkeit des spielerischen Können , das auch Singen und Tanzen einschließt, und erwartet bei jeder Produktion dem neuen Stück entsprechende Varianten.

Das Combinale Theater hat seine Zuschauerzahlen seit dem Einzug in das Haus in der Altstadt kontinuierlich steigern können. Das Publikum bildet einen Querschnitt theaterinteressierter Leute, ist weder alters- noch schichtenspezifiziert. Da die Auslastung des kleinen Raums im Schnitt über 90% liegt , hat die Zahl der Aufführungen pro Saison entsprechend zugenommen, erfolgreiche Stücke werden über mehrere Spielzeiten angeboten bzw. wieder aufgenommen. Besonders zum Jahresende werden Besuche im Combinale als Teil von Betriebsfeiern gebucht, und erfreulich ist, dass die Zahl der Schulveranstaltungen stetig zunimmt. Um eine Ausweitung der seiner Spielorte, in denen Gastspiele als Terminblöcke mit mehreren Aufführungen desselben Stücks möglich sind, um um die dafür benötigte Kooperation bemüht sich das Combinale. Einzelgastspiele sind aus technischen Gründen nicht realisierbar. Das von Sigrid Dettlof geleitete Improvisationtheater, die „Improshows” erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sind fast immer ausverkauft. Das inzwischen halbprofessionelle Ensemble wird ergänzt durch eine Nachwuchsgruppe. Das zu einem Studio ausgebaute Foyer wird für die Werkstattarbeit genutzt : Wolfgang Benninghoven und Sigrid Dettlof leiten Schauspielkurse für Jugendliche und junge Erwachsene und zeigen dort die Ergebnisse ihrer Arbeit. Gruppen, die Kindertheater spielen, sind regelmäßig zu Gast in der Hüxstraße, auch Lesungen sind geplant. Der Spielort des Combinale könnte sich nach den Vorstellungen des Combinale Teams entwickeln zu einer „open stage”, die sowohl inhaltlich wie auch in der Form der Darbietung offen ist für alle künstlerisch arbeitenden Leute, wobei sie vor allem an die Förderung von Nachwuchskräften denken. So ist das Hinterhaus in der Altstadt zu einem festen und vielseitigen Ort in der Lübecker Theaterlandschaft geworden und wird es hoffentlich bleiben, auch wenn Kürzungen bei den institutionellen Zuwendungen nicht zu vermeiden sind. Combinale| das Theater ist weder Alternative, noch Konkurrenz zu den Städtischen Bühnen, es ist eine attraktive Ergänzung, oder anders gesagt: Das Combinale ist „ off-Beckergrube” Theater.